Die Alzeyer Zeitung hat alle Kandidaten im Wahlkreis 34 (Alzey) zur Landtagswahl mit einem umfangreichen Fragenkatalog angeschrieben. Heute stellt sich Heiner Illing (SPD) den Fragen. Wir veröffentlichen auch seine Antworten im Wortlaut 1:1 – ungefiltert.

Welche drei politischen Schwerpunkte setzen Sie für den Wahlkreis Alzey in der kommenden Legislaturperiode?

Heiner Illing (SPD): Zunächst muss ich erst gewählt werden, um Schwerpunkte setzen zu können. Sollte dies der Fall sein, setze ich im Wahlkreis Alzey erstens auf eine starke, sozial verantwortliche Wirtschaft, die gute Arbeit mit fairen Löhnen, sicheren Arbeitsplätzen, moderner Infrastruktur und Digitalisierung verbindet. Zweitens ist Bildung und Chancengleichheit mein zentraler Schwerpunkt – von der Kita über Schule und Ausbildung bis hin zu lebenslangem Lernen für alle Generationen. Drittens steht für mich ein gutes und bezahlbares Leben in jeder Lebensphase im Mittelpunkt, insbesondere bei Wohnen, Mobilität, Energie und sozialer Sicherheit. Eine leistungsfähige und klimafreundliche Mobilität in Stadt und Land ist dafür eine unverzichtbare Voraussetzung. Gleichzeitig will ich Ehrenamt und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, denn sie tragen unsere Städte und Dörfer. Nicht zuletzt verbinde ich Landwirtschaft, Weinbau und Umweltschutz, um Rheinhessen als lebenswerte und zukunftsfähige Region zu erhalten.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die drängendsten Probleme im Wahlkreis?

Heiner Illing (SPD): Aus meiner Sicht gehören steigende Lebenshaltungskosten zu den drängendsten Problemen im Wahlkreis, insbesondere bei Wohnen, Energie und Mobilität. Viele Menschen spüren zudem den Fachkräftemangel, der Betriebe, Handwerk, Pflege und Bildung gleichermaßen belastet.

Gleichzeitig stehen Kitas, Schulen und Ausbildungsbetriebe unter hohem Druck und brauchen weiter Unterstützung und Planungssicherheit. Auch der Strukturwandel in Landwirtschaft, Weinbau und Mittelstand stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen. Auch müssen wir die Angebote für unsere älteren Mitbürger weiter ausbauen. Von der Gemeindeschwester Plus über die Pflegedienste bis hin zur geriatrischen Versorgung, ist es das Ziel, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden das Alter zu genießen. Im öffentlichen Nahverkehr haben wir in den letzten Jahren viel erreicht, aber gerade außerhalb der abgedeckten Verkehrszeiten brauchen wir ein Angebot vor allem für die jüngere Generation aber auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Nicht zuletzt erlebe ich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und Vertrauen in Politik gestärkt werden müssen, damit Rheinhessen weiter gemeinsam nach vorn geht.

Welche Themen oder Projekte wurden in den vergangenen Jahren vernachlässigt und müssen dringend angegangen werden?

Heiner Illing (SPD): In den kommenden Jahren möchte ich gezielt dort ansetzen, wo weiter Entwicklungspotenzial besteht, etwa bei Infrastruktur für Gewerbe oder Mobilität im ländlichen Raum. Nachdem in vielen Kommunen der Ausbau von Glasfaser voranschreitet, müssen wir die verbleibenden „weißen Flecken“ beseitigen, um diese Menschen nicht von der digitalen Welt abzuhängen. Die Digitalisierung von Verwaltung, Schulen und Betrieben bietet Chancen, die wir noch konsequenter nutzen müssen, um den Alltag der Menschen zu erleichtern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau von bezahlbarem Wohnraum, damit Rheinhessen für alle Generationen lebenswert bleibt. Wir sind ein „Zuzugslandkreis“ und müssen deshalb die Bereitstellung von Wohnraum forcieren. Hier gilt es neben der Außenentwicklung (neue Baugebiete), vor allem auch auf die Innenentwicklung zu setzen um die Dorfkerne aufzuwerten. Auch Kitas und Schulen müssen wir weiter stärken, insbesondere bei Ausstattung, Personal und verlässlichen Ganztagsangeboten. Der Strukturwandel in Landwirtschaft und Weinbau soll weiter aktiv begleitet werden, damit wirtschaftliche Stärke, Nachhaltigkeit und Kulturlandschaft zusammengehen. Nicht zuletzt will ich das Ehrenamt weiter fördern und entlasten, weil es das Rückgrat unserer Gemeinschaft ist.

Was wurde aus Ihrer Sicht von der bisherigen Landespolitik bzw. den bisherigen Abgeordneten für den Wahlkreis gut und erfolgreich umgesetzt?

Heiner Illing (SPD): Aus meiner Sicht wurde in den vergangenen Jahren einiges für gute Lebensbedingungen im Wahlkreis Alzey erreicht, insbesondere durch Investitionen in Bildung, Betreuung und Infrastruktur.

Der Ausbau und die Stärkung von Kitas und Schulen haben dazu beigetragen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich zu verbessern. Auch die wirtschaftliche Entwicklung Rheinhessens wurde erfolgreich unterstützt, etwa durch verlässliche Rahmenbedingungen für Mittelstand, Handwerk sowie Weinbau und Landwirtschaft. Im Bereich Mobilität wurden wichtige Schritte unternommen, um den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und klimafreundliche Alternativen voranzubringen. Ob Dorferneuerung oder Innenstadtentwicklung viele Millionen Euro sind in unsere Städte und Kommunen geflossen, um diese lebens- und liebenswert zu machen und zu erhalten.

Die Landespolitik hat zudem den gesellschaftlichen Zusammenhalt gestärkt, unter anderem durch die Unterstützung von Ehrenamt, Vereinen und kommunalem Engagement. Darauf lässt sich aufbauen, um den Wahlkreis Alzey auch künftig sozial, wirtschaftlich und ökologisch erfolgreich weiterzuentwickeln.

Welche Ihrer bisherigen Initiativen oder Projekte für den Wahlkreis halten Sie für besonders wichtig?

Heiner Illing (SPD): Zu meinen wichtigsten Initiativen für den Wahlkreis Alzey zähle ich meinen Einsatz für gute Bildungs- und Betreuungsangebote, für die Stärkung des Ehrenamts sowie für verlässliche Rahmenbedingungen für Mittelstand, Handwerk, Weinbau und Landwirtschaft. Auch die Verbesserung von Mobilität und Infrastruktur in Stadt und Land war mir ein zentrales Anliegen, weil sie entscheidend für Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung ist.

Wo sehen Sie rückblickend Versäumnisse oder Fehlentwicklungen?

Heiner Illing (SPD): Rückblickend sehe ich, dass manche Vorhaben mehr Zeit gebraucht haben, als es der Alltag der Menschen eigentlich zulässt. Gerade beim bezahlbaren Wohnraum, bei der Verkehrsanbindung und der Landstraßensanierung im ländlichen Raum muss aus meiner Sicht noch früher und entschlossener gehandelt werden. Auch die Digitalisierung ist nicht überall so schnell vorangekommen, wie es wünschenswert gewesen wäre. Diese Erfahrungen nehme ich als Ansporn, Prozesse künftig noch konsequenter voranzutreiben und Prioritäten klarer zu setzen.

Welche konkreten Maßnahmen planen Sie für Wirtschaft und Arbeitsplätze in der Region?

Heiner Illing (SPD): Kleine und mittlere Betriebe müssen weiter gezielt entlastet werden, etwa durch Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen und bessere Förderberatung. Konkret will ich Investitionen in Gewerbegebiete, Glasfaser- und Mobilfunknetze vorantreiben, damit Betriebe in Stadt und Land zukunftsfähig arbeiten können.

Zur Sicherung von Fachkräften setze ich auf eine stärkere Verzahnung von Schulen, Berufsbildung und Betrieben, insbesondere durch Ausbildungsnetzwerke und praxisnahe Weiterbildung. Ich unterstütze Innovation und Gründungen, etwa durch Kooperationen mit Hochschulen, Handwerkskammern und regionalen Innovationszentren. Die Energiewende vor Ort will ich unzerstützen, um regionale Wertschöpfung zu stärken – etwa durch erneuerbare Energien, Speichertechnologien und Energieeffizienzprogramme für Betriebe. Mein Ziel ist es, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue, tarifgebundene und zukunftsfeste Jobs in Rheinhessen zu schaffen.

Wie wollen Sie die kommunale Finanzausstattung und die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden stärken?

Heiner Illing (SPD): Die kommunale Finanzausstattung gilt es weiter zu stärken, indem das Land seine Unterstützung für Städte und Gemeinden weiter ausbaut und insbesondere den kommunalen Finanzausgleich stabil und gerecht ausgestaltet, wie es die Landesregierung in den vergangenen Jahren bereits mit einer Finanzausgleichsmasse von über 3,8 Mrd. € vorangebracht hat und fortführen will.

Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden setze ich mich dafür ein, Sondervermögen aus dem Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur gezielt für kommunale Infrastrukturprojekte einzusetzen, damit Kitas, Schulen und Verkehrsnetze vor Ort nachhaltig gestärkt werden. Ich unterstütze den fortgesetzten Einsatz des Landes, Verschuldung zu reduzieren und Hilfen zur Entschuldung der Kommunen bereitzustellen, wie über Strukturhilfen und spezielle Entschuldungsprogramme bereits umgesetzt wurde.

Um die Handlungsfähigkeit vor Ort zu sichern, ist weiter anzustreben, Planungs- und Förderprozesse für kommunale Projekte zu vereinfachen und schneller zu machen, damit Investitionen nicht an bürokratischen Hürden scheitern. Gleichzeitig setze ich mich dafür ein, dass Kommunen bei der Nutzung von Bundes- und Landesmitteln eng eingebunden werden, etwa beim Ausbau von digitaler Infrastruktur und Mobilitätsprojekten. So ist sicherzustellen, dass unsere Städte und Gemeinden finanziell stark, planungssicher und handlungsfähig bleiben, um die Lebensqualität vor Ort nachhaltig zu verbessern.

Welche Position vertreten Sie in der Bildungs- und Schulpolitik, insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum?

Heiner Illing (SPD): Ich setze mich dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen im ländlichen Raum gleiche Bildungschancen erhalten, unabhängig von ihrem Wohnort – von der Kita über die Schule bis zur beruflichen Ausbildung und darüber hinaus. Wir als SPD haben bereits deutlich gemacht, dass Ganztagsschulen weiter ausgebaut, Schulgebäude modernisiert und Lehrkräfte weiter unterstützt werden sollen, um Unterrichtsqualität und Betreuung zu verbessern. Ein weiterer IGS-Standort im Wahlkreis ist unerlässlich und muss konsequent vorangetrieben werden.

Mir ist wichtig, dass der Fokus auf digitaler Ausstattung, zeitgemäßen Lehr- und Lernmethoden sowie guter personeller Ausstattung liegt, damit auch kleine Schulen qualitativ stark bleiben. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Erhalt und der Stärkung wohnortnaher Schulen, damit Mobilitätsbelastungen für Familien reduziert werden und dörfliche Strukturen gestärkt bleiben. Ich unterstütze Initiativen zur Verzahnung von Schule und regionaler Wirtschaft, etwa durch praxisnahe Ausbildungspartnerschaften und berufliche Orientierung vor Ort. So will ich sicherstellen, dass Bildung im ländlichen Raum zukunftsfähig, chancengerecht und lebendig bleibt – für Kinder, Familien und Betriebe gleichermaßen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten verkehrspolitischen Vorhaben im Wahlkreis?

Heiner Illing (SPD): Die Verkehrssituation im Landkreis Alzey-Worms ist geprägt von einer hohen PKW-Dichte und Pendlerbelastung, da viele Menschen in und aus dem ländlich geprägten Raum zur Arbeit unterwegs sind – das erfordert moderne Mobilitätslösungen. Deshalb setze ich mich für den weiteren Ausbau eines zuverlässigen, bezahlbaren öffentlichen Nahverkehrs ein, der Stadt und Land besser verbindet und Pendlerinnen und Pendlern echte Alternativen zum Auto bietet.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Stärkung des Schienennetzes und seiner Verknüpfungen, etwa durch bessere Taktungen und Barrierefreiheit an Bahnhöfen wie in Alzey, damit Bahnfahren attraktiver wird und Pendelverkehr entlastet wird. Der teilweise zweigleisige Ausbau der Strecke Alzey–Mainz ist dabei unerlässlich. Ich will zudem den Rad- und Fußverkehr weiter fördern, mit sicheren Alltagsradwegen und durchgängigen Verbindungen, die den Alltag vor Ort erleichtern und zur Verkehrswende beitragen.

Ein Fokus liegt für mich auch auf klimafreundlicher Mobilität – Ausbau von E-Mobilität, Ladeinfrastruktur und innovativen Konzepten für Busse und Schwerlastverkehr. Schließlich werde ich mich dafür einsetzen, dass Straßeninstandhaltung und Verkehrsflüsse an Hauptachsen wie der A61, A63 und B271 aber auch den Landesstraßen verlässlich verbessert werden, um Sicherheit und Qualität im Verkehr vor Ort zu erhöhen.

Wodurch unterscheiden Sie sich politisch und inhaltlich am deutlichsten von Ihren Mitbewerbern?

Heiner Illing (SPD): Mir ist besonders wichtig, nah bei den Menschen zu sein und Politik aus dem Alltag heraus zu gestalten. Ob in der Sprechstunde im Bürgerbüro, auf dem Sportplatz oder beim Einkauf – ich habe immer ein offenes Ohr. Durch meine langjährige Arbeit in der Kommunalpolitik, unter anderem als Bürgermeister aber auch im Beruf, habe ich gelernt zuzuhören, Probleme ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu entwickeln und auch mit begrenzten Ressourcen eine positive Entwicklung anzustoßen.

Mein beruflicher Hintergrund in Handwerk, Technik und Wirtschaft prägt meinen Blick auf gute Arbeit, verlässliche Rahmenbedingungen und eine starke regionale Wirtschaft. Meine internationale Erfahrung hat mir dabei den Blick auf Dinge geschärft, die uns tagtäglich berühren. Ich stehe für pragmatische, umsetzbare Politik, die nicht ideologisch, sondern lösungsorientiert ist. Dabei verbinde ich wirtschaftliche Vernunft mit sozialer Verantwortung und einem klaren Bekenntnis zum ländlichen Raum. Mein Anspruch ist es, Landespolitik verständlich, erreichbar und wirksam für die Menschen im Wahlkreis Alzey zu machen.