Mörsfeld (as) – Nothämmer blockiert und sprachbarrierebedingt keine Verständigung vor Ort möglich? Nach einem Schulbusunfall am 02.02.2026 (wir berichteten) erheben Eltern betroffener Kinder schwere Vorwürfe gegen den Busfahrer und das Busunternehmen. Im Zentrum der Kritik stehen die Notausrüstung im Bus sowie massive Kommunikationsprobleme und Verhaltensweise des Busfahrers an der Unfallstelle.
Kinder halfen sich selbst
Nach den Schilderungen von Schüler und Eltern sollen die Nothämmer mit Kabelbindern befestigt gewesen sein, sodass sie für die Kinder nicht ohne Weiteres erreichbar waren. Ein Elternteil berichtet, dass ein Nothammer von einem Jungen habe „abgetreten“ werden müssen, um ihn überhaupt lösen zu können. Mit diesem Hammer seien anschließend abstehende Glassplitter entfernt worden, damit Kinder aus einem Seitenfenster aussteigen konnten. Hier hätten die älteren Kindern den kleineren geholfen, die sich vor Angst zum Teil eingenässt hätten, berichtet ein Elternteil.
Zugleich schildern Kinder und Eltern, dass eine Verständigung mit dem Fahrer kaum möglich gewesen sei. Die Kinder hätten weder auf Deutsch noch auf Englisch eine Reaktion erhalten. Statt Hilfe zu leisten, habe der Fahrer geschimpft, als Schüler die Nothämmer nutzten.
Zusätzliche Vorwürfe gegen den Fahrer – rechtliche Schritte angekündigt
Ein Elternteil kündigte gegenüber der Redaktion an, rechtliche Schritte gegen den Busfahrer und/oder das Unternehmen einzuleiten und bereits anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen zu haben.
„Es gab in der Vergangenheit bereits mehrfach Beschwerden gegen diesen Busfahrer“, sagt Tanja Krause, die Mutter der 16-jährigen Schülerin, die auch den Notruf absetzte. Nach ihren Angaben sei der Fahrer in der Vergangenheit bereits während der Fahrt wiederholt ausgestiegen, habe telefoniert oder sich anderweitig beschäftigt. Dies habe auch mehrfach zu Verspätungen geführt.
„So ein Unfall kann passieren, keine Frage, aber der Umgang und das Vorgehen – das kann so nicht sein“, so Krause.
Den Vorwurf, der Fahrer habe im Dienst geraucht, weist das Busunternehmen zurück. Nach Angaben des Betreibers handelt es sich beim Fahrer um einen Nichtraucher.

Unfallhergang und Notruf
Der Linienbus war bei winterlichen Straßenverhältnissen von der Fahrbahn abgekommen, kollidierte dabei gegen einen Schachtdeckel und landete letztlich in einem Graben, bei dem er seitlich liegend zum stehen kam. Mehrere Schulkinder befanden sich an Bord, einige wurden leicht verletzt. Nach Rücksprache mit der Polizei wurde der Notruf aus dem verunfallten Bus heraus tatsächlich von einer 16-jährigen Schülerin abgesetzt, nicht vom Busfahrer. Die Polizei Kirchheimbolanden war vor Ort und setzt ihre Ermittlungen fort.
Darstellung des Busunternehmens – widersprüchliche Angaben zur Sprache
Im telefonischen Erstgespräch räumte das Busunternehmen ein, dass der Fahrer durchaus Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache habe. In einer späteren schriftlichen Stellungnahme erklärt der Betreiber hingegen, der Fahrer verfüge über ausreichende Deutschkenntnisse für Berufsalltag und Notfälle. Er sei seit Juli 2025 im Unternehmen beschäftigt und seit 2023 im Besitz des Busführerscheins; zudem würden regelmäßig Sprachkurse angeboten. Unklar bleibt jedoch, ob der Fahrer dieses Kursangebot tatsächlich genutzt hat. Das Unternehmen machte hierzu keine konkreten Angaben.
Zum Verhalten des Fahrers erklärt der Betreiber, dieser habe sich unmittelbar nach dem Befinden der Kinder erkundigt und zunächst keine behandlungsbedürftigen Verletzungen erkannt. Als Schüler Nothämmer nutzten, habe er lediglich auf die Gefahr umherfliegender Glassplitter hingewiesen, so der Betreiber. Eine abschließende Bewertung der Abläufe stehe noch aus.
Einordnung durch die Polizei – Sprache und Nothämmer
Nach Angaben der Polizei Kirchheimbolanden konnte man sich vor Ort gut auf Englisch mit dem Fahrer verständigen
Nach unserer Presseanfrage fuhr die Polizei zudem erneut zum Unfallbus und teilte mit, dass die Nothämmer nach ihrer Einschätzung ordnungsgemäß angebracht gewesen seien. Technische Mängel am Fahrzeug wurden vor Ort nicht festgestellt.
Sicherheitskontrollen des Fahrzeugs
Nach Angaben des Betreibers führt das Fahrpersonal vor jeder Fahrt eine Abfahrtskontrolle durch. Das Fahrzeug war zuletzt am 13. Januar 2026 bei einer Prüforganisation zur Hauptuntersuchung; zusätzlich erfolgen vierteljährliche Sicherheitsprüfungen.
Erstversorgung überwiegend durch Kinder
Der Vorwurf der Eltern, dass die erste Hilfe faktisch von den Schülern selbst geleistet worden sei, weil der Fahrer sichtlich überfordert gewirkt habe, ist schwer, das Unternehmen verweist darauf, dass eigene Vertreter während des gesamten Einsatzes vor Ort waren.
„…dazu möchten wir anmerken, dass ein Unfallereignis auch für das Fahrpersonal eine außergewöhnliche Stresssituation und Belastung darstellt. Der Umgang mit solchen Situationen kann durch Schulungen und Trainings vorbereitet werden, die konkrete Umsetzung im Moment des tatsächlichen Geschehens unterliegt jedoch zahlreichen, nicht beeinflussbaren Faktoren.“ schreibt das Unternehmen hierzu.
Fahrer am Folgetag wieder im Einsatz – Kinder blieben fern
Trotz des Unfalls fuhr derselbe Fahrer am nächsten Morgen erneut auf der gleichen Linie.
Ein Kind kehrte daraufhin wieder um, als es den Fahrer sah, und stieg nicht ein. Nach Angaben von Eltern seien zudem einige Kinder am Folgetag gar nicht erst zur Bushaltestelle gekommen; stattdessen hätte man eigenständig einen Fahrdienst organisiert.
Das Unternehmen bestätigt den erneuten Einsatz des Fahrers und verweist darauf, dass Polizei und Betreiber den Unfall auf die Witterung zurückführen und bislang kein persönliches Fehlverhalten festgestellt worden sei. Für den Rest der Woche sei ein Unternehmensvertreter im Bus anwesend, um Fragen zu beantworten und Ängste aufzufangen.
Kommunikation mit Schulen und Behörden
Das Unternehmen steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit der Kreisverwaltung Donnersbergkreis. Die betroffenen Schulen seien unmittelbar informiert worden. Eine direkte Ansprache einzelner Eltern sei nicht möglich, da dem Betreiber keine Kontaktdaten der Fahrgäste vorlägen.



































