Foto: Ekaterina Shilkina / Fotomontage: Alzeyer Zeitung

Die Alzeyer Zeitung hat alle Kandidaten im Wahlkreis 34 (Alzey) zur Landtagswahl mit einem umfangreichen Fragenkatalog angeschrieben. Heute stellt sich Sabrina Hinz (Volt) den Fragen. Wir veröffentlichen ihre Antworten im Wortlaut 1:1 – ungefiltert.

Welche drei politischen Schwerpunkte setzen Sie für den Wahlkreis Alzey in der kommenden Legislaturperiode?

Sabrina Hinz (Volt): Mein erster Schwerpunkt ist Bildung und faire Chancen im ländlichen Raum: Ich will, dass Kinder und Jugendliche die gleichen Chancen unabhängig von Wohnort und Elternhaus haben.
Zweitens setze ich auf ein bezahlbares Leben und starke Kommunen: Wohnen, Energie, Mobilität und funktionierende Verwaltungen sollen so organisiert sein, dass der Alltag für Familien und Unternehmen leichter statt komplizierter wird.
Drittens liegt mir eine zukunftsfähige, klimafeste und wirtschaftsstarke Region am Herzen: Klimaschutz vor Ort soll Arbeitsplätze schaffen – über erneuerbare, dezentrale Energie, Innovation und eine Infrastruktur, die Pendeln, Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe verlässlich macht.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die drängendsten Probleme im Wahlkreis?

Sabrina Hinz (Volt): Aus meiner Sicht sind die drängendsten Probleme im Wahlkreis Alzey: unzureichende, oft unplanbare Kinderbetreuung, wachsende finanzielle Belastungen durch Wohnen und Energie sowie Lücken bei Mobilität und Erreichbarkeit im ländlichen Raum.

Welche Themen oder Projekte wurden in den vergangenen Jahren vernachlässigt und müssen dringend angegangen werden?

Sabrina Hinz (Volt): Vernachlässigt wurden vor allem strategische Antworten auf die Frage, wie der ländliche Raum in zehn oder zwanzig Jahren aussehen soll – bei Schulen, Kitas, Gesundheit, Mobilität und digitaler Verwaltung.

Was wurde aus Ihrer Sicht von der bisherigen Landespolitik bzw. den bisherigen Abgeordneten für den Wahlkreis gut und erfolgreich umgesetzt?

Sabrina Hinz (Volt): Ich erkenne an, dass in Rheinland-Pfalz Bildung und Modernisierung der Verwaltung bereits als zentrale Zukunftsthemen verstanden werden und dass es wichtige Investitionen in Kitas, Schulen und Infrastruktur gab.
Daran will ich anknüpfen, indem ich dafür sorge, dass vorhandene Fördermittel einfacher abrufbar werden und wirklich bei den Einrichtungen und Kommunen ankommen, die sie brauchen.

Was hätten Sie an der bisherigen Arbeit Ihrer Vorgänger anders gemacht? Welche konkreten Änderungen streben Sie an?

Sabrina Hinz (Volt): Ich hätte Entscheidungen stärker „vom Alltag der Menschen her“ gedacht – von der Schichtarbeiterin über Alleinerziehende bis zum pflegenden Angehörigen, die heute zu oft zwischen Betreuungslücken, Fahrplänen und Bürozeiten aufgerieben werden.
Ich möchte multiprofessionelle Teams in Kitas und Schulen stärken: Erzieher:innen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, psychologische und therapeutische Fachkräfte sollen gemeinsam arbeiten.
Schrittweise will ich ein flächendeckendes, kostenloses und gesundes Mittagessen in Kitas und Schulen einführen, finanziert über einen Landesfonds „Gesunde Schule und Kita“.
Außerdem strebe ich an, Schulen eigene, bedarfsorientierte Budgets zu geben, über die sie eigenständig verfügen können – für Personal, Ausstattung und pädagogische Projekte, passend zu ihrem Standort.
Langfristig will ich längeres gemeinsames Lernen ermöglichen, etwa durch eine sechsjährige Grundschule als Zwischenschritt, und den schrittweisen Rückbau von Sondersystemen zugunsten inklusiver Regelschulen.

Welche konkreten Maßnahmen planen Sie für Wirtschaft und Arbeitsplätze in der Region?

Sabrina Hinz (Volt): Als Biotechnologische Assistentin weiß ich, wie wichtig Forschung, Innovation und verlässliche Rahmenbedingungen für gute Arbeitsplätze sind. Ich möchte, dass sich in unserer Region Zukunftsbranchen ansiedeln und wachsen können – von klimafreundlicher Technologie bis zu sozialen Dienstleistungen.
Ich setze mich für bessere Bedingungen für Ausbildung und Fachkräfte ein, etwa durch eine Aufwertung sozialer und handwerklicher Berufe mit besserer Ausbildungsvergütung sowie durch niederschwellige Weiterbildungs- und Anerkennungsangebote für zugewanderte Fachkräfte.
Gründungen will ich erleichtern: durch bessere Beratungsstrukturen, Zugang zu Wagniskapital und eine intelligentere Vernetzung von Hochschulen, Forschung und regionalen Unternehmen.

Wie wollen Sie die kommunale Finanzausstattung und die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden stärken?

Sabrina Hinz (Volt): Die Finanzierung muss bedarfsgerecht nach dem Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“ laufen – jede vom Land oder Bund gestellte Aufgabe muss auch von Land oder Bund finanziert werden.
Für Schulen und Digitalisierung bedeutet das: Laufende Kosten für IT, Wartung und Lizenzen dürfen nicht allein auf den Schultern finanzschwacher Kommunen liegen – das Land muss hier verbindlich mitfinanzieren, damit auch ländliche Gemeinden Schritt halten können.
Ich will zudem Bürokratie abbauen, digitale Verwaltungsprozesse ausbauen und Entscheidungswege verkürzen, damit Kommunen schneller auf Herausforderungen reagieren können.

Welche Position vertreten Sie in der Bildungs- und Schulpolitik, insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum?

Sabrina Hinz (Volt): Ich möchte Schule im Dorf lassen – und stärken: Schulstandorte im ländlichen Raum brauchen verlässliche Perspektiven, moderne Ausstattung und Teams, die mehr können als nur Unterricht nach Stundenplan.
Dafür will ich rhythmisierte Ganztagsschulen voranbringen, in denen Lern- und Freizeitphasen sinnvoll verzahnt sind, mit guter Mittagsverpflegung, Räumen für Bewegung und Rückzug sowie Kooperationen mit Vereinen, Musikschulen und Bibliotheken.
Wichtig ist mir auch, dass digitale Kompetenzen systematisch vermittelt werden – von Medienkompetenz bis zum reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz –, und dass Lehrkräfte die notwendige Fortbildung und Entlastung bekommen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten verkehrspolitischen Vorhaben im Wahlkreis?

Sabrina Hinz (Volt): Ich will Mobilität so organisieren, dass sie im Alltag funktioniert: mit verlässlichem ÖPNV, besseren Taktungen, Rufbus- und On-Demand-Angeboten im ländlichen Raum und einer guten Verknüpfung zu Bahn und Park-and-Ride.
Sichere Rad- und Fußwege sind mir besonders wichtig – gerade für Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg, aber auch für alle, die im Alltag kurze Wege ohne Auto zurücklegen wollen.
Ich stehe für eine Verkehrspolitik, in der Menschen wirklich wählen können: Fahrrad, Bus, Bahn oder Auto – ohne ideologische Grabenkämpfe, sondern mit klaren Prioritäten für Sicherheit, Verlässlichkeit und Klimaschutz.

Wodurch unterscheiden Sie sich politisch und inhaltlich am deutlichesten von Ihren Mitbewerbern?

Sabrina Hinz (Volt): Ich bringe drei Perspektiven zusammen: die wissenschaftlich-technische Sicht als biotechnologische Assistentin, die Alltagssicht als Mutter und die europäische Perspektive als überzeugte Europäerin.
Politisch unterscheide ich mich durch einen konsequent europäischen, evidenzbasierten Ansatz: Ich will erfolgreiche Lösungen aus anderen Ländern – ob bei Bildung, Mobilität oder Verwaltung – auf Rheinland-Pfalz übertragen, statt Probleme immer wieder neu zu erfinden.
Inhaltlich stehe ich für klare, überprüfbare Standards bei Bildung, kommunaler Handlungsfähigkeit und sozial gerechtem Klimaschutz – und für eine Politik, die erklärt, zuhört und Menschen einbindet, statt sie mit fertigen Paketen zu überrollen.