Alzey (as) – In Alzey droht ein massiver Einschnitt in der kinderärztlichen Versorgung. Nach den uns vorliegenden Informationen aus der Ärzteschaft soll die Doppelpraxis in der Dautenheimer Landstraße mit den Kassensitzen von Dr. med. Christian Vesely und Hanna Weiner-Makowski zum 30. Juni 2026 schließen. Demnach soll ein Sitz ein Kollege aus Wörrstadt übernehmen. Was mit dem zweiten Sitz geschehen soll sei noch unklar. Sollte es dazu kommen, würde rechnerisch rund die Hälfte der kinderärztlichen Kapazitäten in der Stadt Alzey wegfallen. Die Patienten seien hierüber noch nicht informiert.

Während aus der Praxis selbst auch auf wiederholte Anfrage keine Stellungnahme vorliegt, haben sich die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz sowie die Stadt Alzey geäußert.

KV: Entscheidung noch offen – System unter Druck

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) verweist in ihrer Antwort auf unsere Anfrage zunächst darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Konkrete Angaben zur geplanten Schließung oder zu einer möglichen Verlagerung eines Kassensitzes – etwa nach Wörrstadt – wurden daher nicht gemacht.

Grundsätzlich betont die KV, dass im Planungsbereich Worms/Alzey-Worms aktuell alle kinderärztlichen Sitze besetzt seien. Sollte eine Nachfolge gefunden werden, ändere sich aus Sicht der Bedarfsplanung zunächst nichts an der Versorgungslage.

Gleichzeitig macht die KV deutlich, dass das System insgesamt unter Druck steht. Ärztinnen und Ärzte seien eine zunehmend knappe Ressource. Als zentrale Probleme nennt die KV unter anderem die bestehende Bedarfsplanung, Budgetierungen, Bürokratie, Fachkräftemangel, fehlende Studienplätze sowie den bevorstehenden Generationenwechsel.

Deutlich wird auch: Ein Kassensitz kann grundsätzlich entfallen, wenn kein Nachfolger gefunden wird. Über Zulassungen und mögliche Verlagerungen entscheidet zudem nicht die KV selbst, sondern ein unabhängiger Zulassungsausschuss aus Vertretern der Ärzteschaft und Krankenkassen.

Aktuell gibt es im Planungsbereich Worms, Stadt/Alzey-Worms insgesamt 17,5 kinderärztliche Versorgungsaufträge. Diese Zahl entspricht jedoch nicht direkt der Anzahl der praktizierenden Ärzte, da sich mehrere Mediziner einen Sitz teilen können.

Weitere Einblicke in die regionale Versorgungslage liefert die Auswertung der KV RLP auf Basis des Arztregisters (Stichtag 31.12.2025), HIER abrufbar.

Grundlage der Verteilung von Arztsitzen ist die bundesweit geltende Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, abrufbar unter:
https://www.g-ba.de/richtlinien/4/https://www.g-ba.de/richtlinien/4

Förderprogramme und strukturelle Kritik

Um gegenzusteuern, setzt die KV auf verschiedene Maßnahmen zur Nachwuchsförderung. Dazu zählen finanzielle Förderprogramme für Weiterbildungsstellen, Beratungsangebote sowie Initiativen zur Gewinnung von Ärzten – auch aus dem Ausland. Für das Jahr 2026 wurden zusätzliche Fördermittel bereitgestellt, um weitere Weiterbildungsstellen in der Kinder- und Jugendmedizin zu schaffen, heißt es im Antwortschreiben.

Gleichzeitig übt die KV deutliche Kritik an der bestehenden Bedarfsplanung. Diese sei in ihrer aktuellen Form nicht mehr zeitgemäß und wirke teilweise sogar als „Zulassungsverhinderungsinstrument“. Aus Sicht der KV sei eine grundlegende Reform notwendig, um eine drohende Versorgungskrise abzuwenden.

Stadt Alzey wurde erst spät informiert

Auch die Stadt Alzey wurde nach eigenen Angaben erst kurzfristig mit dem Thema konfrontiert. Bürgermeister Steffen Jung erfuhr demnach am 23. April erstmals von den Entwicklungen. Zuvor lagen der Verwaltung keine gesicherten Informationen vor.

Unabhängig davon bewertet die Stadt die Situation als ernst. Eine verlässliche medizinische Versorgung für Kinder und Familien habe hohe Priorität. Bürgermeister Jung setzt sich nach Angaben der Verwaltung gemeinsam mit dem Landkreis und umliegenden Kommunen dafür ein, Lösungen zu finden.

Geplant ist unter anderem, die KV um ein Gespräch zu bitten, um die weitere Sicherstellung der kinderärztlichen Versorgung in Alzey und Umgebung zu klären. Ziel sei es, eine tragfähige Nachfolgeregelung zu erreichen.

Unsicherheit für Familien bleibt

Ob und in welchem Umfang die Praxis tatsächlich schließt und wie sich die Situation konkret entwickelt, ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch: Sollte ein oder sogar beide Kassensitze wegfallen oder verlagert werden, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgungslage. Gerade die Ansiedlung von Lilly mit Mitarbeitern und deren Kindern, würde die Lage nicht gerade entschärfen.

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