Alzey (as) – Ein öffentlicher Facebook-Beitrag von Dietmar Kron sorgt für Diskussionen rund um das Landeskrankenhaus (AöR) und dessen Geschäftsführer Dr. Alexander Wilhelm. Kron erhebt darin schwere Vorwürfe gegen die Unternehmensführung und berichtet, der Kaufmännische Direktor der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, Frank Litterst, sei fristlos und mit sofortiger Wirkung gekündigt worden. Ein Bote habe ihn diese Nachricht übermittelt.

Der Beitrag von Dietmar Kron ist öffentlich unter folgendem Link abrufbar:

https://www.facebook.com/share/p/1GmvxU2Ncn/

Nach Krons Darstellung musste Litterst sein Büro unmittelbar verlassen und räumen. Als Hintergrund führt Kron unter anderem an, Litterst habe gegenüber der Geschäftsführung wiederholt Kritik an der Besetzung von Führungspositionen und an der aus seiner Sicht fehlenden Kompetenz einzelner Nachbesetzungen geäußert.

Kron geht in seinem Beitrag allerdings deutlich weiter. Er wirft der Geschäftsführung vor, kritische Stimmen innerhalb des Unternehmens nicht zu dulden. Aus dem direkten Umfeld des Geschäftsführers soll nach der Verlängerung von dessen Vertrag zu hören gewesen sein, dass es nun „erst richtig losgeht“. Nach Krons Darstellung soll sogar der Begriff „Säuberung“ gefallen sein.

Auch die wirtschaftliche Situation des Landeskrankenhauses greift Kron auf. Er verweist auf ein Millionendefizit und warnt vor möglichen Auswirkungen auf Beschäftigte und Patientenversorgung.

Alzeyer Zeitung konfrontiert Dr. Wilhelm mit den Vorwürfen

Aufgrund der Tragweite dieser öffentlich erhobenen Vorwürfe wandte sich die Alzeyer Zeitung mit einer umfangreichen Presseanfrage an Geschäftsführer Dr. Alexander Wilhelm beziehungsweise das Landeskrankenhaus.

Die Redaktion wollte unter anderem wissen, ob Frank Litterst tatsächlich fristlos gekündigt wurde, was zu der Personalentscheidung geführt hat und ob zuvor Differenzen zwischen Litterst und der Geschäftsführung bestanden.

Ebenso wurden die Vorwürfe bezüglich der Nachbesetzung von Führungspositionen, die behaupteten Äußerungen aus dem Umfeld der Geschäftsführung sowie die Anzahl ausgeschiedener Führungskräfte thematisiert.

Auch zur wirtschaftlichen Situation und den öffentlich genannten Millionendefiziten bat die Redaktion um Einordnung.

Von besonderem Interesse war zudem eine auffällige Entwicklung innerhalb weniger Monate.

Noch am 27. Oktober 2025 gehörte Frank Litterst selbst zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes zahlreicher Führungskräfte des Landeskrankenhauses, die sich ausdrücklich hinter Dr. Alexander Wilhelm stellten.

In diesem Schreiben wurde Wilhelm unter anderem eine Führungskultur der Offenheit und des Dialogs bescheinigt. Führungskräfte würden von ihm aktiv dazu aufgefordert, Schwierigkeiten, Fehler und Herausforderungen offen anzusprechen.

Der damalige offene Brief ist weiterhin öffentlich abrufbar:

https://www.facebook.com/share/p/14niupV6cSy/

Die Alzeyer Zeitung wollte deshalb auch wissen, was sich seit Oktober 2025 im Verhältnis zwischen Litterst und der Geschäftsführung verändert hat.

Landeskrankenhaus bestätigt Wechsel in Alzey

Die Antwort des Landeskrankenhauses fällt angesichts der Vielzahl und Tragweite der gestellten Fragen knapp aus.

Bestätigt wird zumindest, dass es an der kaufmännischen Spitze der Rheinhessen-Fachklinik Alzey eine Veränderung gegeben hat.

„Wir können Ihnen mitteilen, dass die Position des Kaufmännischen Direktors der Rheinhessen-Fachklinik Alzey vorübergehend neu besetzt wurde“, erklärt Markus Wakulat, Leiter Unternehmenskommunikation und Pressesprecher des Landeskrankenhauses.

Ob Frank Litterst tatsächlich fristlos gekündigt wurde, bestätigt das Landeskrankenhaus ebenso wenig wie es dies dementiert.

Zu den konkreten Umständen der Personalentscheidung verweist die Unternehmenskommunikation auf rechtliche Grenzen:

„Zu individuellen Personalangelegenheiten und arbeitsrechtlichen Sachverhalten können wir aus Gründen des Persönlichkeitsrechts und des Datenschutzes keine Auskunft geben“, heißt es in der Stellungnahme.

Personalentscheidungen würden im Rahmen der strategischen Ausrichtung und zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität der Einrichtung getroffen. Gleichzeitig messe man einer offenen Kommunikation und einem konstruktiven Dialog große Bedeutung bei.

Auf die von Dietmar Kron öffentlich erhobenen Vorwürfe geht das Landeskrankenhaus inhaltlich nicht ein. Dazu heißt es lediglich, zu Behauptungen Dritter oder Spekulationen werde keine Stellungnahme abgegeben.

Damit bleiben sowohl die tatsächlichen Umstände der Trennung von Litterst als auch die Frage offen, ob es zuvor einen Konflikt über Personalentscheidungen oder die strategische Ausrichtung des Landeskrankenhauses gegeben hat.

Kaufmännischer Direktor aus Andernach übernimmt

Geklärt ist dagegen die vorläufige Nachfolge.

Martin Engelhardt, Kaufmännischer Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach, hat nach Angaben des Landeskrankenhauses das operative Geschäft der Rheinhessen-Fachklinik Alzey mit sofortiger Wirkung interimistisch übernommen.

Unterstützt werde Engelhardt dabei von den Zentralabteilungen des Landeskrankenhauses. Der Führungskreis sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien am Montag schriftlich und im Rahmen einer Führungskräfteversammlung informiert worden.

Die Regelung sei zunächst für eine Übergangsphase vorgesehen. Die Nachfolge solle aufgrund der Bedeutung der Rheinhessen-Fachklinik Alzey schnellstmöglich geregelt werden. Der laufende Betrieb der Klinik sei sichergestellt.

Finanzlage bleibt in der Antwort unerwähnt – Zahlen sind jedoch längst öffentlich

Auffällig ist, dass das Landeskrankenhaus auf die Fragen der Alzeyer Zeitung zur wirtschaftlichen Situation in seiner Antwort nicht eingeht.

Dabei sind die wesentlichen Zahlen keineswegs unbekannt.

Das Landeskrankenhaus selbst teilte am 26. Juni 2026 mit, das Geschäftsjahr 2025 mit einem betriebswirtschaftlichen Defizit von 11,4 Millionen Euro abgeschlossen zu haben. Das Minus konnte nach Angaben des Unternehmens vollständig aus Rücklagen gedeckt werden und lag rund 400.000 Euro besser als zuvor prognostiziert.

Noch deutlich entfernt ist das Unternehmen damit allerdings von schwarzen Zahlen. Der vom Aufsichtsrat verabschiedete Wirtschaftsplan für 2026 sieht erneut ein Minus von 14,1 Millionen Euro vor.

Damit liegen die von Dietmar Kron in seinem Facebook-Beitrag genannten Größenordnungen sehr nahe an den offiziell veröffentlichten Zahlen.

Auch das Fachmedium BibliomedManager berichtete über die Finanzlage. Demnach fordert der Aufsichtsrat weitere Konsolidierungsanstrengungen. Zudem soll ein Personal- und Standortkonzept erarbeitet werden, das auf die Krankenhausreform abgestimmt ist.

Zusätzliche wirtschaftliche Risiken sieht das Landeskrankenhaus durch bundespolitische Veränderungen. In Zusammenhang mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde eine mögliche zusätzliche Belastung von rund zehn Millionen Euro jährlich genannt.

Gerade vor diesem Hintergrund fällt eine Formulierung in der aktuellen Antwort des Landeskrankenhauses auf: Personalentscheidungen würden auch „zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität der Einrichtung“ getroffen.

Ob diese Aussage lediglich die allgemeine Personalstrategie beschreibt oder ob wirtschaftliche Gründe auch bei der Entscheidung um Frank Litterst eine Rolle gespielt haben, bleibt offen.

Geschäftsführer-Vertrag von Wilhelm erst im Juni verlängert

Hinzu kommt, dass der Aufsichtsrat den Vertrag von Dr. Alexander Wilhelm erst am 11. Juni 2026 um weitere fünf Jahre verlängert hatte. Aufsichtsratsvorsitzender und Gesundheitsminister Clemens Hoch begründete die Entscheidung damals ausdrücklich mit der notwendigen Kontinuität im Veränderungsprozess des Landeskrankenhauses.

Nur wenige Wochen später kommt es nun zu einer erheblichen Veränderung an der Führungsspitze der Rheinhessen-Fachklinik Alzey.

Ob zwischen diesen Entwicklungen ein Zusammenhang besteht, ist nicht belegt. Gerade deshalb wiegen die von Kron öffentlich erhobenen Behauptungen schwer und bedürfen einer sorgfältigen Einordnung.

Litterst weiterhin als Geschäftsführer der conMedico geführt

Offen ist zudem, welche Auswirkungen die Personalentscheidung auf eine weitere Funktion von Frank Litterst hat.

Litterst ist beziehungsweise war zugleich Geschäftsführer der conMedico MVZ gGmbH, einer vom Landeskrankenhaus gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft. Auf der offiziellen Internetseite der conMedico wird er Stand 20. August 2026 weiterhin ausdrücklich als Geschäftsführer geführt. Auf der Seite „Über uns“ heißt es unmissverständlich: „Geschäftsführer der conMedico MVZ gGmbH ist Frank Litterst.“

Auch das offizielle Impressum der Gesellschaft weist weiterhin Frank Litterst als Geschäftsführer aus. Dort ist die conMedico MVZ gGmbH mit dem Handelsregistereintrag B 22580 beim Amtsgericht Koblenz aufgeführt und unter der Rubrik „Geschäftsführer“ wird ebenfalls Frank Litterst genannt.

Ob Litterst diese Funktion trotz des Wechsels an der kaufmännischen Spitze der Rheinhessen-Fachklinik weiterhin tatsächlich ausübt oder ob eine Veränderung lediglich noch nicht auf der Internetseite nachvollzogen wurde, ist derzeit nicht geklärt.

Genau diese Frage hatte die Alzeyer Zeitung dem Landeskrankenhaus ebenfalls gestellt. Eine Antwort darauf erfolgte jedoch ebenfalls nicht.