DER PRINZ VON ALZEY mit seinem "General" Amandus Pala (CHMAEYN)

Alzey (as) „ICH BIN DER PRINZ VON ALZEY!“ – so beginnen seine Videos – eine Krone aus Pappe, eine markante Stimme und bewusst überspitzte Auftritte: Der selbst ernannte „Prinz von Alzey“ sorgt aktuell in den sozialen Netzwerken wie INSTRAGRAM und TIK TOK für Aufsehen. Innerhalb weniger Tage erreichen seine Videos über 500.000 Aufrufe, bei denen er nicht nur Züge mit seinem Schwert verjagt, sondern auch auf Drachen reitet, diese bekämpft oder auch ganze Burgen erobert. Hinter der Figur steckt ein 20-Jähriger, der in Alzey aufgewachsen ist und mit bürgerlichem Namen Sebastian Regenstein-Miller heißt.

Spontane Idee mit überraschender Dynamik

Entstanden ist die Figur eher zufällig. Während einer Reise auf dem Jakobsweg, welchen er kurz nach der Ausbildung zum Krankenhelfer in der RfK in Alzey bestritt, begann er erste Inhalte zu posten – ursprünglich nur privat. Ein Vergleich mit der Figur „Prinz Charming“ und seiner damals immer länger gewachsenen Haare lieferten schließlich die Idee für diese Inszenierung. Aus einem spontanen Einfall entwickelte sich während der ersten Aufnahmen schnell ein eigenes Konzept.

Unterstützung bekam er dabei von Amandus Pala (35), der seit Jahren im Bereich Content-Produktion mit einer eigenen Firma tätig ist. Er erkannte früh das Potenzial und riet dazu, die Videos gezielt als Reels zu veröffentlichen. Die Strategie dahinter ist klar: laut, provokant und bewusst polarisierend, um Reichweite zu erzeugen.

Viralität kam schneller als erwartet

Dass die Figur innerhalb kürzester Zeit solche Aufmerksamkeit bekommt, kam für den „Prinzen“ selbst überraschend. Eigentlich war das Projekt zunächst als einmalige Aktion gedacht. Doch die Resonanz führte dazu, dass schnell weitere Videos folgten.

Allein in der ersten Woche gewann der Account mehrere hundert neue Follower. Parallel wurde auch ein TikTok-Kanal gestartet, der ebenfalls schnell wuchs. Erste Anfragen für Kooperationen liegen bereits vor, zudem werden personalisierte Grußvideos des Prinzten zunehmend nachgefragt.

Zwischen Spaß, Strategie und Arbeit

Auch wenn die Clips locker wirken, steckt hinter jedem Video ein erheblicher Aufwand. Rund vier Stunden investiert das Team pro Beitrag – von der Ideenfindung über den Dreh bis hin zu Schnitt, Musikauswahl und dem Einsatz von KI-Elementen.

Die Inhalte entstehen dabei teils spontan, folgen aber auch einer klaren Linie. Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu erzeugen und die aktuelle Dynamik auszunutzen.

Reaktionen reichen von Begeisterung bis Kritik

„Sind Sie nicht der Prinz von Alzey?“ – schon kurz nach Beginn des Interviews am Rossmarkt wird der selbst ernannte Adlige angesprochen. Es bleibt nicht bei dieser einen Szene. Immer wieder kommen Passanten auf ihn zu, wollen Fotos machen, sprechen ihn direkt auf seine Videos an. Mehrfach muss das Gespräch unterbrochen werden, weil der „Prinz“ sich Zeit für sein „Fußvolk“ nimmt – so nennt er seine Follower in den Clips augenzwinkernd selbst.

Was auffällt: Die Begegnungen laufen freundlich, fast schon begeistert ab. Die Menschen lachen, zücken ihre Handys, posieren gemeinsam mit der Social-Media-Figur. Innerhalb von nur rund 30 Minuten ergibt sich dieses Bild immer wieder neu.

Im direkten Kontakt beschreibt er die Reaktionen als durchweg positiv. Im Netz zeigt sich unter dem vermeintlichen Deckmantel der Anonymität ab und an auch ein anderes Bild. Neben Zustimmung gibt es dort auch deutliche Kritik und abwertende Kommentare. Diese nimmt der Prinz gelassen zur Kenntnis und sieht selbst negative Reaktionen als Teil der Aufmerksamkeit, die den Algorithmus weiter antreibt, wie er angibt.

Klare Grenzen trotz Inszenierung

Trotz der provokanten Rolle setzt sich der eher ruhig wirkende 20-Jährige selbst Grenzen. Öffentliche Auftritte im Kostüm im Alltag lehnt er ab, ebenso Inhalte, die mit Drogen oder Suchtmitteln in Verbindung stehen. Die Figur soll bewusst überspitzt sein, aber nicht beliebig.

Mehr als nur eine Rolle

Langfristig will Regenstein-Miller die Figur weiterentwickeln, solange die Resonanz anhält. Gleichzeitig sieht er darin auch eine persönliche Veränderung. Früher eher zurückhaltend und negativ eingestellt, beschreibt er sich heute als offener und positiver.

Die Rolle des „Prinzen“ ist dabei bewusst inszeniert. Etwa 80 Prozent seien gespielt, ein Teil entspreche aber auch der eigenen Persönlichkeit. Hinter der überzeichneten Figur steht für ihn vor allem ein Ziel: Energie vermitteln und Menschen unterhalten.

Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Noch nie habe er sich so lebendig gefühlt. Ob der „Prinz von Alzey“ seinen ersten offiziellen hochadligen Auftritt gemeinsam mit der Alzeyer Weinkönigin beim Winzerfest haben wird, bleibt derweil abzuwarten.

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