Verwaltungsdirektor Frank Müller

Alzey (as) – Seit der Übernahme durch den Landkreis zum 1. Juli 2025 steht das Kreiskrankenhaus Alzey vor einem tiefgreifenden Wandel. Verwaltungsdirektor Frank Müller, der das Haus mitten in dieser sensiblen Phase der Insovlenz übernommen hat, zieht im Gespräch mit der Alzeyer Zeitung eine erste Zwischenbilanz – und zeichnet ein Bild zwischen Stabilisierung, Optimismus und klar benannten Risiken.

Ein schwieriger Start – und erste Stabilisierung

Die ersten Wochen nach der Übernahme waren geprägt von strukturellen Baustellen. Nach der turbulenten Phase rund um die Entscheidung des Kreistags am 4. Juni 2025 und dem direkten Übergang in den laufenden Betrieb nur wenige Wochen danach galt es, Abläufe neu zu ordnen, Personalfragen zu klären und finanzielle Grundlagen zu schaffen.

Knapp ein Jahr später fällt Müllers Zwischenfazit deutlich aus: „Es läuft.“ Der Wirtschaftsplan für 2026 sei bewusst vorsichtig kalkuliert worden. Das klar gesteckte Ziel: „Am Ende des Jahres wird das Schiff wieder stabil im Wasser liegen“, so der Verwaltungsdirektor.

Messbare Fortschritte statt bloßer Stimmung

Von „frischem Wind“ zu sprechen (siehe Artikel), greife laut Müller nur dann, wenn sich dieser auch belegen lasse. Eine zentrale Kennzahl ist die aktuelle Auslastung von 72% im ersten Quartal 2026 – der höchste Wert seit Jahren und zugleich ein klares Signal.

Diese Entwicklung hat konkrete Folgen: Mit der wiederhergestellten Gewährträgerschaft gewinnt das Krankenhaus an Attraktivität als Arbeitgeber. Gerade in stark nachgefragten Berufsgruppen wie Ärzten zeigt sich diese Verbesserung. Während der Insolvenzphase waren Neueinstellungen nicht möglich – ein Rückstand, der nun schrittweise aufgeholt wird, erklärt Müller.

Gleichzeitig bleibt die entscheidende Frage: Decken die Einnahmen langfristig die Kosten? Genau daran wird sich der wirtschaftliche Erfolg messen lassen.

Zwischen Wachstum und klaren Grenzen

Nicht alle Bereiche entwickeln sich gleich. Vor allem in der Chirurgie sind gesetzlich vorgegebene Schwellenwerte entscheidend – etwa bei der Endoprothetik (z.B. Eingriffe wie künstliche Hüftgelenke etc.). Diese müssen erreicht werden, um diese Leistungen weiterhin anbieten zu können bzw. zu dürfen.

Müller macht deutlich: „Krankenhäuser sollen das machen, was sie können.“ Aktuell sieht er das Haus in diesem Bereich gut aufgestellt – vorausgesetzt, die notwendigen Fachärzte stehen zur Verfügung.

Gleichzeitig eröffnen sich Chancen: In der Inneren Medizin und insbesondere in der Geriatrie sieht Müller deutliches Wachstumspotenzial. Die alternde Bevölkerung im Landkreis sorgt für einen steigenden Bedarf. Disziplinen wie Kardiologie, Diabetologie, Chirurgie und Orthopädie greifen hier ineinander – die Geriatrie bündelt diese Anforderungen.

Rückhalt aus Politik und Verwaltung

Bemerkenswert ist die politische Unterstützung, die das Krankenhaus erfährt. Laut Müller wurden zentrale Beschlüsse im Kreisausschuss immer einstimmig parteiübergreifend getragen. Von Reibungsverlusten könne keine Rede sein – ganz im Gegenteil.

„Ich erfahre absoluten Support“, sagt Müller. Unterstützung komme nicht nur aus der Politik, sondern auch aus der Kreisverwaltung. Beispielhaft nennt er z.b. die IT-Abteilung, die von Beginn an in vielen Bereichen geholfen habe.

Dieser Rückhalt gilt als entscheidender Faktor in einer Phase, in der viele Krankenhäuser mit Unsicherheit kämpfen.

Nachhaltigkeit mit Substanz

Auch beim Thema Nachhaltigkeit setzt das Kreiskrankenhaus auf konkrete Maßnahmen statt Symbolpolitik. Gemeinsam mit Energieberater und Klimaschutzmanager wurde früh ein umfassendes Konzept entwickelt.

Die Alzeyer Zeitung hat hier einen exklusiven Blick in den Maßnahmenkatalog werfen können, und dieser geht weit über reines Strom sparen hinaus. Im Fokus stehen neben energetische Sanierungen auch ein Hitzeschutzplan und die langfristige Reduzierung fossiler Energieträger. Perspektivisch könnte eine stärkere Elektrifizierung helfen, unabhängiger von steigenden Gaspreisen zu werden. Fördermittel spielen dabei eine zentrale Rolle. Als ein Beispiel daraus nannte Müller beispielsweise städtische PV-Anlagen auf Schulen – diese produzieren gerade im Sommer – in der Ferienzeit – viel Strom, doch die Schulen sind leer. Das Krankenhaus brauche im Sommer jedoch mehr Energie für die Kühlung, als im Winter zum heizen – hier wird man beispielsweise ansetzen.

Die Auszeichnung für Nachhaltigkeit bewertet Müller daher klar: „Das hat mehr mit Substanz als mit Image zu tun.“ Auch soziale Aspekte – der Zugang zur Gesundheitsversorgung allgemein – seien Teil dieser Strategie.

Risiken bleiben – Vertrauen als Schlüssel

Trotz der positiven Entwicklung sieht Müller klare Risiken für die kommenden Jahre. Entscheidend sei, das Vertrauen der Mitarbeiter zu halten und weiter auszubauen. Rund 80 Prozent der Kosten entfallen auf Personal – ein sensibles Gleichgewicht.
Selbstverständlich sei man auch immer an die sich angleichenden gesetzlichen Vorgaben gebunden.

Gleichzeitig besteht weiterhin Investitionsbedarf. Der Landkreis hat jüngst beschlossen, rund acht Millionen Euro aus dem Sondervermögen bereitzustellen – diese soll vor allem für Instandhaltung, Brandschutz und Medizintechnik ausgegeben werden.

Verbundenheit trifft Kompetenz

Ein zentraler Faktor im Transformationsprozess des Krankenhauses ist wohl klar auch die Person an der Spitze. Frank Müller gilt als erfahrener Verwaltungsdirektor, dessen fachliche Kompetenz zur Führung des Hauses kaum infrage gestellt wird. Auffällig ist dabei der breite Rückhalt: Über Parteigrenzen hinweg erfährt er Zuspruch und Unterstützung.

Doch es ist nicht nur die fachliche Ebene, die seine Rolle prägt. Müller ist eng mit dem Krankenhaus und der Region verbunden wie er selbst sagt „Es ist für mich einfach schön, z.B. auf dem Marktfrühstück einfach mal angesprochen zu werden, man kennt sich halt.“

Ein persönliches Schlusswort

Am Ende des Gesprächs wird Müller deutlich – und persönlich:

„Ich bin ja in diesem Krankenhaus geboren und habe hier meine Ausbildung gemacht – hier ist meine Wurzel. Ich war 20 Jahre als Pflegedirektor in der RfK tätig. Die Region liegt mir am Herzen und die Menschen, die hier arbeiten, haben es verdient. Für mich war klar, als es auf der Kippe stand, dass ich mich mit vollem Engagement einsetzen werde. Das Tolle ist, dass hier wirklich alle genauso daran arbeiten. Ja, das Krankenhaus ist mir ein persönliches Anliegen – und ich glaube, das spüren die Menschen.“

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