Jubiläumsfeier mit Gästen, Erinnerungen und Blick in die Zukunft
ALZEY (as) – Mit einem Festakt hat der Altstadtverein Alzey am 31. Mai sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Zahlreiche Mitglieder, Wegbegleiter und Gäste kamen zusammen, um auf ein halbes Jahrhundert Vereinsgeschichte zurückzublicken. Auch die Alzeyer Zeitung war vor Ort und sprach mit Verantwortlichen, ehemaligen Vorsitzenden sowie Besuchern der Jubiläumsveranstaltung.
Umrahmt wurde der Festakt musikalische durch das Bläserquintett Rheinblech, die Verpflegung und Bewirtung übernahm das Stadtweingut Alzey.
Der Verein gilt heute als eine der prägendsten Bürgerinitiativen der Stadtgeschichte. Gegründet wurde er 1976 als Reaktion auf umfangreiche Planungen zur Umgestaltung der Innenstadt. Ziel war es damals, historische Gebäude und den gewachsenen Charakter der Altstadt zu bewahren.
„Ohne den Verein wäre von der Altstadt nicht mehr viel übrig“
Der heutige Vorsitzende Marc Amstad sieht die Erfolge des Vereins überall im Stadtbild sichtbar.
„Es freut mich besonders, dass überall in Alzey Spuren der Aktivitäten des Altstadtvereins zu sehen sind“, sagt Amstad. Fachwerkfassaden, Denkmäler, Brunnen oder das Glockenspiel seien sichtbare Zeichen jahrzehntelangen Engagements. Die Stadt sei dadurch attraktiver geworden und die Bevölkerung honorierte dies.
Auf die Frage, ob die Alzeyer Altstadt ohne den Verein heute noch ihr heutiges Gesicht hätte, antwortet Amstad deutlich: „Nein.“ Ohne den Widerstand gegen damalige Planungen wären zahlreiche historische Gebäude verschwunden. Breite Straßen hätten die Innenstadt zerschnitten und selbst bedeutende Bauwerke wie die Kleine Kirche wären bedroht gewesen.
Kämpfe gegen Abrisspläne prägten die Anfangsjahre
Auch die ehemalige Vorsitzende Doris Seibel-Tauscher erinnert sich an die schwierigen Anfangsjahre. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und blickt auf fünf Jahrzehnte Engagement zurück.
„Es macht mich stolz, dass der Verein sein 50. Jubiläum feiern kann – und dass ich von Anfang an dabei war“, sagt sie.
Besonders die ersten Jahre seien von harten Auseinandersetzungen geprägt gewesen. Als Beispiel nennt sie den Einsatz für das Haus Prieß, das später als AZ-Haus bekannt wurde. Damals habe es persönliche Angriffe auf den ersten Vorsitzenden Wulf Kleinknecht gegeben. Der Verein sei verspottet und teilweise auch öffentlich kritisiert worden.
Aufgegeben habe man dennoch nie. Mit Vorträgen, Informationsveranstaltungen, einer eigenen Vereinszeitung und konkreten Sanierungsprojekten habe der Verein zunehmend Unterstützung in der Bevölkerung gewonnen.
Historische Gebäude als sichtbares Vermächtnis
Eine wichtige Entscheidung sei gewesen, bei gefährdeten Häusern nicht nur zu protestieren, sondern selbst aktiv zu werden. Vereinsmitglieder legten historische Fassaden frei, halfen bei Sanierungen und luden anschließend die Bevölkerung zu Einweihungsfeiern ein.
Dadurch konnten viele Bürger erstmals erkennen, welche historischen Schätze sich hinter den oftmals verputzten Gebäuden verbargen.
Besonders am Herzen liegen den Verantwortlichen heute die beiden vereinseigenen Häuser. Das Altstadthaus in der Flonheimer Straße dient als Vereinshaus und Archiv und kann für Feiern gemietet werden. Das ehemalige Biedermeierhaus in der Amtgasse wurde zu einem Antiquariat entwickelt.
Daneben verweist Seibel-Tauscher auf weitere bedeutende Gebäude wie die ehemalige Brauerei „Prinz Emil“, für die bereits Restaurierungskonzepte vorliegen.
Nachwuchs bleibt eine Herausforderung
Wie viele Vereine kämpft auch der Altstadtverein mit der Gewinnung neuer Mitglieder. Amstad sieht eine zunehmende Individualisierung der Gesellschaft als Herausforderung.
Viele Menschen nähmen gerne an Veranstaltungen teil, eine dauerhafte Mitarbeit sei jedoch deutlich schwieriger zu gewinnen. Für Aktivitäten wie Büchermärkte, die Weinbergshäuschen-Wanderung oder organisatorische Aufgaben brauche der Verein Menschen, die aktiv mit anpacken.
Auch Seibel-Tauscher bestätigt diese Entwicklung. Berufliche Anforderungen und persönliche Lebensplanung stünden bei vielen jüngeren Menschen verständlicherweise im Vordergrund. Dennoch gebe es immer wieder positive Beispiele. So habe sich jüngst sogar eine junge Familie bereit erklärt, bei Vereinsveranstaltungen mitzuhelfen.
Engagement für die Stadt bleibt wichtig
Für die Zukunft wünschen sich die Verantwortlichen vor allem, dass das historische Erbe Alzeys erhalten bleibt. Neue Generationen sollen die Arbeit fortführen und die Altstadt auch künftig mitgestalten.
Sowohl Marc Amstad als auch Doris Seibel-Tauscher betonen die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für das gesellschaftliche Leben. Viele Entwicklungen könnten nicht allein von staatlichen Stellen getragen werden. Bürgerinitiativen und Vereine seien ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Demokratie.
Nach 50 Jahren blickt der Altstadtverein damit nicht nur auf zahlreiche Erfolge zurück. Er steht zugleich vor der Aufgabe, neue Menschen für den Erhalt des historischen Stadtbildes zu begeistern – damit die Geschichte der Alzeyer Altstadt auch in Zukunft fortgeschrieben werden kann.



























