ALZEY (as) – Nach der Berichterstattung der Alzeyer Zeitung über das Sicherheitsgefühl in Alzey (hier) und der veröffentlichten Pressemitteilung des BSW (hier) entwickelte sich in den sozialen Netzwerken eine umfangreiche Diskussion. In den Gruppen und auf den Kanälen unserer Zeitung berichteten zahlreiche Nutzer von eigenen Erfahrungen, äußerten Sorgen oder widersprachen der Einschätzung, dass sich die Situation in Teilen der Innenstadt verschlechtert habe.
Ausgangspunkt war eine Pressemitteilung des BSW Alzey unter dem Titel „Schluss mit Wegsehen“. Darin hatte die Partei auf Beschwerden aus der Bevölkerung verwiesen und unter anderem die Ochslergasse sowie den Bereich rund um den Kronenplatz thematisiert.
Bürgermeister Steffen Jung widersprach der Darstellung. Er verwies auf die polizeiliche Kriminalstatistik, bestehende Maßnahmen der Stadt und die Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsbehörden. Eine allgemeine Verschlechterung der Sicherheitslage lasse sich nach seiner Einschätzung nicht feststellen. Zugleich betonte die Stadt, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen ernst genommen werde.
Inzwischen erschien auch in einem anderen Medium ein Bericht über die Debatte. Darin widerspricht die 19-jährige Alzeyerin Sarah Lane der Kritik des BSW in mehreren Punkten. Sie wird als parteilos beschrieben, die sich politisch in Alzey engagiere.
Unerwähnt bleibt dabei, dass Lane Mitglied im städtischen „Beirat für die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund“ ist.
Sarah Lane empfindet Alzey als sicheren Ort
Lane erklärt auch gegenüber der Alzeyer Zeitung, dass sie sich in Alzey grundsätzlich sicher fühle. Sie bewege sich regelmäßig auch am Abend durch die Innenstadt, treffe sich mit Freunden auf dem Roßmarkt und habe bislang keine Situation erlebt, in der sie sich konkret bedroht gefühlt habe.
Auch ihr Freundeskreis nehme Alzey als sicheren Ort wahr. Im Vergleich zu größeren Städten wie Mainz oder Frankfurt sei die Stadt deutlich entspannter. Lane bezeichnete Alzey in diesem Zusammenhang als „Safe Place“.
Kritisch sieht sie die Konzentration der Diskussion auf einzelne Straßen und die dort lebenden Menschen. Dadurch könne der Eindruck entstehen, Menschen mit Migrationsgeschichte würden pauschal mit Sicherheitsproblemen in Verbindung gebracht.
Zudem erklärte Lane, ihr fehlten belastbare Belege für die Aussagen, wonach zahlreiche Menschen ein schwindendes Sicherheitsgefühl wahrnähmen. Entsprechende Behauptungen müssten ihrer Ansicht nach mit Zahlen oder konkreten Stimmen unterlegt werden.
Gespräch mit der Alzeyer Zeitung
Im Gespräch mit der Alzeyer Zeitung blieb Lane bei ihrer Einschätzung. Sie verwies im Wesentlichen auf die bereits öffentlich genannten Argumente und betonte erneut die Bedeutung von Prävention und Sozialarbeit.
Mehr Polizeipräsenz allein sei aus ihrer Sicht keine dauerhafte Lösung. Stattdessen müssten Ursachen frühzeitig angegangen werden. Dazu gehörten Streetworker, Jugendangebote und verlässliche Ansprechpartner für junge Menschen.
Gleichzeitig räumte Lane ein, dass sich einzelne Vorfälle in einer Stadt grundsätzlich nicht vollständig verhindern ließen. Entscheidend sei, wie mit Konflikten umgegangen werde und welche präventiven Angebote vorhanden seien.
BSW sieht Erfahrungen und Vorfälle als Belege
Adar Belice vom BSW Alzey reagierte mit einer weiteren Pressemitteilung und verteidigte die ursprüngliche Kritik seiner Partei. Niemand habe behauptet, dass man sich in Alzey grundsätzlich nicht mehr auf die Straße trauen könne. Es gehe vielmehr um konkrete Vorkommnisse und um Menschen, die sich an bestimmten Orten nicht mehr so sicher fühlten wie früher.
Besonders kritisiert Belice Äußerungen aus dem Umfeld des städtischen Beirats und des Bürgermeisters. Dort werde nach Auffassung des BSW der Eindruck vermittelt, es handele sich lediglich um Einzelfälle oder um ein übertriebenes beziehungsweise eingebildetes Problem.
Damit würden die Erfahrungen jener Menschen beiseitegeschoben, die sich mit ihren Sorgen an das BSW gewandt hätten. Belice wirft seinen Kritikern vor, bestehende Probleme kleinzureden und die Diskussion auf eine rein politische Auseinandersetzung zu reduzieren.
Der Vorwurf, es gebe keine Belege, greife nach Ansicht Belices zu kurz. Als Belege nennt er die zahlreichen persönlichen Schilderungen aus der Bevölkerung sowie bekannt gewordene Fälle von Belästigungen, Bedrohungen, Schlägereien und Sachbeschädigungen.
Auch die Diskussionen nach der Berichterstattung der Alzeyer Zeitung zeigen, dass das Thema einen großen Teil der Bevölkerung beschäftigt. Mehrere Leser schilderten eigene Erlebnisse oder berichteten, dass sie bestimmte Orte inzwischen anders wahrnähmen als noch vor einigen Jahren.
Diese Rückmeldungen sind zwar keine repräsentative Erhebung und ersetzen keine amtliche Statistik. Sie sind dennoch konkrete Hinweise auf ein vorhandenes Unsicherheitsgefühl. Ebenso sind öffentlich bekannte und polizeilich erfasste Vorfälle reale Ereignisse und nicht lediglich eine eingebildete Wahrnehmung.
Die Frage ist daher weniger, ob es überhaupt Belege gibt, sondern wie diese zu bewerten sind. Während Bürgermeister Jung vor allem auf die statistische Gesamtlage und bestehende Sicherheitsmaßnahmen verweist, führt das BSW persönliche Erfahrungen, einzelne Vorkommnisse und die Rückmeldungen aus Teilen der Bevölkerung an.
Unterschiedliche Bewertung derselben Situation
Damit treffen zwei Ebenen aufeinander. Die Stadt betrachtet vor allem die objektiv erfassbare Sicherheitslage. Das BSW stellt stärker das subjektive Sicherheitsgefühl und konkrete Erfahrungen einzelner Menschen in den Mittelpunkt.
Belice warnt davor, diese Erfahrungen pauschal anzuzweifeln. Wer Betroffenen ihre Wahrnehmung abspreche, handele weder sachlich noch verantwortungsvoll. Nach Ansicht des BSW könne Politik nur dann Lösungen entwickeln, wenn sie die geschilderten Probleme zunächst anerkenne.
Den Vorwurf, die Debatte richte sich gegen Menschen mit Migrationsgeschichte, weist Belice zurück. Straftäter hätten „keine Herkunft und keine Religion“. Ziel sei Sicherheit für alle Menschen in Alzey.
Prävention und konsequentes Handeln
Bei der Bedeutung von Prävention liegen die Positionen nicht grundsätzlich auseinander. Sowohl Lane als auch Belice sprechen sich für Sozialarbeit, Jugendangebote und Streetworker aus.
Belice hält diese Maßnahmen allein jedoch nicht für ausreichend. Neben Prävention brauche es aus Sicht des BSW auch Polizei, Ordnungsamt und eine konsequente Durchsetzung geltenden Rechts.
„Sicherheit und Sozialarbeit sind kein Widerspruch. Natürlich brauchen wir Prävention. Aber wer glaubt, Streetworker allein könnten Gewalt und Kriminalität lösen, macht es sich viel zu einfach“, erklärt Belice.
Die Debatte dreht sich damit nicht allein um die Frage, ob Alzey eine sichere Stadt ist. Im Mittelpunkt steht zunehmend, welche Bedeutung persönliche Erfahrungen, dokumentierte Vorfälle, öffentliche Rückmeldungen und statistische Daten jeweils haben – und ob die Sorgen eines Teils der Bevölkerung ausreichend berücksichtigt werden.
Videos und Erfahrungsberichte in den sozialen Medien belegen durchaus, gerade in Bezug auf Ruhestörung, einen gewissen Handlungsbedarf.
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