Musik, Humor, persönliche Geschichten, britische Weihnachtstraditionen und ein Hauch Oper: Im Interview mit der Alzeyer Zeitung erzählen Ross Antony und Paul Reeves, warum ihre Weihnachtsshow längst mehr ist als ein klassisches Konzert – und weshalb die Petersberghalle für ihr Konzept nahezu die ideale Größe hat.

Gau-Odernheim (as) – Wenn Ross Antony und Paul Reeves am 4. Dezember mit „Unser lustiges Weihnachten“ nach Gau-Odernheim kommen, erwartet die Besucher in der Petersberghalle kein gewöhnliches Weihnachtskonzert. Die Show geht inzwischen ins dritte Jahr – und ist dabei deutlich gewachsen.

„Es hat eigentlich so klein angefangen, mit vier, dann sieben und jetzt haben wir 14 Shows dieses Jahr“, erzählt Ross Antony im Gespräch mit der Alzeyer Zeitung. Für ihn ist es eine „bunte, laute und fröhliche Weihnachtsshow mit viel Musik, Humor, festlichen Liedern und persönlichen Anekdoten“.

Dabei gleicht kein Abend vollständig dem anderen. „Obwohl es eigentlich die gleiche Show ist, ist das, was zwischen den Liedern passiert, immer anders“, sagt Antony.

Das Publikum bringt seine eigene Show mit

Dass sich die Besucher gerne passend zum Weihnachtsprogramm kleiden, war ursprünglich offenbar gar nicht groß geplant. Vielmehr entwickelte sich daraus mit der Zeit ein fester Bestandteil des Abends.

„Die Leute sind in Weihnachtspullis gekommen, also Kopfbedeckung, alles Mögliche, alles, was glitzert, blinkt, was auch immer“, erzählt Antony. Schon vor Beginn der Show sei dadurch eine besondere Atmosphäre entstanden. Und sie sollen nicht nur auf ihren Plätzen sitzen. Immer wieder werden Zuschauer auf die Bühne geholt, spielen oder singen mit Ross und Paul oder werden Teil kleiner Aktionen.

Paul Reeves erklärt, warum gerade dafür eine überschaubare Halle wichtig ist: „Wir lieben das, wenn wir so zwischen 600 und 800 Leute haben, weil das ist die perfekte Größe.“ Dann könnten Zuschauer schnell auf die Bühne kommen und gleichzeitig alle das Geschehen gut verfolgen. „Wir machen nicht nur Lieder auf der Bühne, wir machen lustige Spiele, wir haben Preise, wir haben Glühwein auf der Bühne, sehr, sehr verschiedene Kostüme.“

Für die Petersberghalle sind das aus Sicht der beiden beste Voraussetzungen.

„Es ist 100 Prozent Ross, es ist 100 Prozent Paul“

Hinter dem ganzen Humor steckt gleichzeitig sehr viel Persönliches. Wer die Show besucht, bekommt keinen künstlich geschaffenen Ross und Paul präsentiert.
„Es ist 100 Prozent Ross, es ist 100 Prozent Paul“, sagt Antony. „Wir kommen mit unseren Geschichten, mit unseren Anekdoten, wo die Leute sich wirklich damit identifizieren können.“

Das Ziel gehe dabei über reine Unterhaltung hinaus. Für einige Stunden sollen Sorgen und Alltagsstress in den Hintergrund rücken.

„Unser Ziel ist tatsächlich, dass für ein paar Stunden die Menschen den Alltag ein bisschen vergessen können“, beschreibt Antony die Idee. Gerade angesichts vieler belastender Nachrichten sei es wichtig, sich die Vorfreude auf Weihnachten nicht nehmen zu lassen. „Wir wollen diese tolle Jahreszeit auf jeden Fall festlich zelebrieren.“

Gemeinsam lachen und gemeinsam singen – das sei ein wesentlicher Teil des Abends.

Fehler sind ausdrücklich erlaubt

Dass Ross Antony und Paul Reeves nicht nur Bühnenpartner, sondern auch verheiratet sind, sorgt zwangsläufig für eine besondere Dynamik.
„Viele Leute fragen uns: Wie ist es eigentlich, als Ehepaar auf der Bühne zu stehen? Es ist wie in jeder anderen Ehe“, sagt Antony lachend. „Es hat wirklich sehr viele wunderschöne Momente und sehr viele lustige Momente und sehr viele andere Momente.“

Dabei ergänzen sich auch ihre unterschiedlichen musikalischen Hintergründe. Besonders schätze Antony, „dass Paul natürlich ein anderes Genre auf die Bühne bringt mit seinen Opern und dass wir uns so gut harmonieren können“.

Paul Reeves wiederum macht deutlich, dass Perfektion gar nicht das Ziel der Show ist: „In unserer Show darf man Fehler machen. Die sind meistens einfach lustig und die Leute lieben das.“

Natürlich werde geprobt und es gebe einen Plan. „Aber es kann alles passieren – und das passiert eigentlich sehr oft.“

So erinnern sich die beiden beispielsweise an eine Zuschauerin, die als Weihnachtsmann auf der Bühne landete. Der Weihnachtsmannanzug war für die sehr kleine Frau derart groß, dass Antony und Reeves selbst kaum noch weitersingen konnten – während das Publikum vor Lachen praktisch nichts mehr hörte.

An anderen Abenden überraschen Zuschauer plötzlich mit außergewöhnlichen Gesangsstimmen. Reeves erzählt von einer Frau, die nach einem gemeinsamen Auftritt auf der Bühne über ihren eigenen Mann sagte: „Ich hatte keine Idee, dass mein Mann so gut singen kann.“

Genau diese ungeplanten Momente machen jeden Abend anders.

Wohnzimmeratmosphäre statt steifer Weihnachtsgala

Auch optisch soll die Show keine klassische Konzertatmosphäre vermitteln. Weihnachtsbäume, Sessel und ein entsprechend gestaltetes Bühnenbild schaffen eher den Eindruck eines großen gemeinsamen Wohnzimmers.

„Wir wollen eine schöne Wohnzimmeratmosphäre anbieten“, beschreibt Antony das Konzept.

Musikalisch reicht die Bandbreite von traditionellen Weihnachtsliedern bis zu eigenen Songs. Einige seien emotional, andere bewusst lustig. Dazu kommen die unterschiedlichen Kostüme und immer wieder ruhigere Passagen.

Antony beschreibt die Mischung selbst als „teils schön, teils sentimental, teils emotional.“

Britische Weihnachtstradition in Rheinhessen

Ein Teil der Idee hinter „Unser lustiges Weihnachten“ hat seine Wurzeln in Großbritannien. Paul Reeves erklärt, dass dort humorvolle Weihnachtsshows eine lange Tradition haben.

„Was die Leute vielleicht nicht wissen, ist, dass wir in England eine Tradition von lustigen Weihnachtsshows haben. Jede Stadt hat eigene lustige Weihnachtsshows.“

Auch privat gehe es zu Weihnachten bei den beiden keineswegs nur besinnlich zu. „Wir spielen sehr viele lustige Spiele, wir machen auch Weihnachtspullover und Weihnachtskostüme zu Hause. Es gibt sehr viel zu lachen in England über Weihnachten“, erzählt Reeves.

Genau dieses Lebensgefühl wollten sie nach Deutschland bringen – und den Menschen zugleich zeigen, „wie wir zu Hause feiern“.

Vorfreude auf Gau-Odernheim

Dass ihre Weihnachtsshow ausgerechnet in Gau-Odernheim Station macht, sehen die beiden keineswegs als kleinen Termin auf dem Tourplan.
„Wir freuen uns wirklich tierisch drauf“, sagt Antony.
Auch der bisherige Ticketverkauf ist den Künstlern offenbar nicht verborgen geblieben. „Die Gau-Odernheimer haben auf jeden Fall Lust, weil die haben sehr, sehr gut verkauft“, freut sich Antony.

Für das Publikum in der Region dürfte die Produktion durchaus ungewöhnlich sein: kein reines Konzert, keine Comedyshow und auch keine klassische Weihnachtsgala – sondern ein Mix aus allem.

Ross, Paul und die Scheurebe

Zum Ende des Gesprächs durfte ein Thema natürlich nicht fehlen: Wein. Schließlich kommen Ross Antony und Paul Reeves mit ihrer Show mitten in eine der bedeutendsten Weinregionen Deutschlands – und haben selbst seit einigen Jahren eigene Weine im Sortiment.

Die Alzeyer Zeitung brachte deshalb die Scheurebe ins Spiel, die 1916 in Alzey von Georg Scheu gezüchtet wurde.
Die spontane Antwort aus dem Interview: „Ihr könnt gerne was dabeibringen, wir trinken das auch gerne.“
Die Einladung steht. Die Alzeyer Zeitung versprach, zum Auftritt eine Scheurebe mitzubringen.

Ross Antony dürfte dabei allerdings nicht der strengste Weinkritiker der beiden sein. „Das Schönste ist, wir kennen uns inzwischen wirklich gut aus. Paul viel besser als ich, weil wir unsere eigenen Weine seit einigen Jahren haben“, sagt er. Neben Wein gehören inzwischen auch Glühwein, Punsch und Rosé-Secco dazu.

Und gegen neue Erfahrungen hat das Paar nichts: „Es ist immer schön, neue Sachen auszuprobieren.“

Vielleicht zählt nach dem 4. Dezember ja auch die Alzeyer Scheurebe dazu.

„Unser lustiges Weihnachten“ mit Ross Antony und Paul Reeves findet am 4. Dezember ab 20.00 Uhr in der Petersberghalle Gau-Odernheim statt.

📅 Wann: Freitag, 4. Dezember 2026, 20:00 Uhr
📍 Wo: Petersberghalle Gau-Odernheim
ℹ️ Mehr Infos: OREMKULTUREVENTS
🎟️ Tickets: EVENTIM