Coronahilfe Alzey
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Alzey (jk) – Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie kristallisierte sich heraus, dass es gerade die armen und hilfsbedürftigen Menschen am härtesten treffen wird. Als Risikopatient zu Hause bleiben, nicht einkaufen gehen können und dann noch die Schließung der Tafel, zum Schutz der dort ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter.
Die Notlage hat der Initiatior der Coronahilfe Alzey Rudi Müller gleich erkannt und in einem Facebook Post eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft los getreten, bis hin zur Aktion “Lebensmitelpakete für Bedürftige” der Kreisverwaltung Alzey-Land mit dem DRK.

Facebookpost vom 22.03.2020

2 Tage nach der Idee startet bereits das Projekt

Es sollte nur 2 Tage dauern, bis das Projekt gemeinsam mit Andreas Steinbach ins Rollen kam und die Webseite www.coronahilfe-alzey.de mit Anmeldeformularen und Spendenangeboten zur Verfügung stand.
Gemeinsam mit der Facebookgruppe Nachbarschaftshilfe (Coronahilfe) Alzey begab man sich auf die Suche nach Helfern, nach Spendern und nach Hilfsbedürftigen.

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Die Alzeyer-Zeitung hat von Beginn an, durch die kostenlose Bereitstellung der notwendigen Resourcen (Erstellung der Webseite, Domain und Server) diese Initiative unterstützt und in ihren Gruppen sowie Pressemeldungen darauf aufmerksam gemacht.
“Es ist verrückt wie schnell das Projekt so groß werden konnte,” betont Müller gegenüber der Alzeyer-Zeitung “die Hilfebereitschaft der Alzeyer Bevölkerung war die gesamte Zeit über einfach grandios”.

Über 30 Bedürftige binnen kürzester Zeit

Der Alzeyer Kultkneipier stellte kurzerhand seine, aufgrund der Pandemie-Verordnung geschlossene “Kleine Kneipe” am Alzeyer Obermarkt als Lager und zentrale Anlaufstelle der Coronahilfe Alzey zur Verfügung. Über die erstellte Webseite meldeten sich gleich zu Beginn dutzende Helfer und Freiwillige, aber auch viele Hilfsbedürfte und Spender. “Ohne die zusätzlichen Geldspenden, mit denen wir auch frische Ware wie Obst, Gemüse und Salat etc. zukaufen, aber auch fehlende Lebensmittelspenden kompensieren konnten, wäre es nicht möglich gewesen die Sache derart, über einen solch´ langen Zeitraum betreiben zu können.” erklärt Andreas Steinbach.
Über 30 Bedürftige gab es bereits nach kürzester Zeit, gleichzeitig aber auch unzählige private Lebensmittelspenden, sowie Spenden des täglichen Lebensbedarfs.
Einige Spender haben dabei allwöchentlich ihre Spenden in der Kleinen Kneipe abgegeben.

Lebensmittelspende der ersten Woche

Landkreis und DRK greifen Idee auf

Eine Woche nach Start der Coronahilfe Alzey, griff auch der Landkreis Alzey Worms, gemeinsam mit dem DRK die Idee auf und starteten die Initiative “Lebensmittel für Bedürftige”. Müller erklärt, dass er sehr froh darüber gewesen sei, denn man habe bei weitem nicht alle Tafelkarteninhaber bedienen können.
Während das DRK die zahlreichen Tafelkarteninhaber bedient, konnte sich die Coronahilfe-Alzey gerade um die Personen und Haushalte kümmern, die zwar bedürftig sind, aber (noch) keinen Tafelausweis besitzen.
“Für uns war vom Start weg klar, dass wir unbürokratisch helfen wollen” erklärt Rudi Müller “in Zeiten einer Pandemie hat Bürokratie nicht viel zu suchen, ein Missbrauch konnten wir aber auch im Nachhinein nicht feststellen.”

Coronahilfe Alzey schlägt überregionale Wellen

Während man von der lokalen Politik und Presse nahezu unbemerkt und unerwähnt seine Hilfe verrichtet, wurden im Laufe der Zeit überregionale Medien und Konzerne auf die Coronahilfe-Alzey aufmerksam. In einem Interview mit dem Radiosender RPR1 wird beispielsweise bereits erwähnt, dass andere Landkreise die Idee und das Konzept ebenfalls aufgriffen.

(Interview vom 30. März mit dem Radiosender RPR1)

“Es gab unter anderem eine große Lebensmittelspende von rund 2.5 Tonnen Nudeln – diese hätten wir ohne die Hilfe von Vereinen und dem DRK gar nicht unterbekommen. Wir haben diese dann größtenteils, nach Abklärung mit dem Spender, weiter gespendet.” erklärt Steinbach “Auch die vielen Helfer die sich bei uns meldeten, haben wir dem DRK weiter geleitet, da diese dort dringender benötigt wurden.” führt er fort.
Es gab immer wieder auch einen Überschuss an Lebensmittelspenden, diese wurden dann z.B. dem “Verein für Integration und Teilhabe am Leben e.V.” weiter gespendet, die ebenfalls über 20 Haushalte zu versorgen hatten.

Auch die Lufthansa AG, Arbeitgeber von Initiator Rudi Müller, wurde auf die Coronahilfe Alzey aufmerksam und hat über das soziale Engagement ihres Mitarbeiters, als Ansporn zur Nachahmung, in der Konzerneigenen Yammer Community, in der rund 100.000 Mitarbeiter vertreten sind, berichtet, wie Andrea Pernkopf von Lufthansa erklärt.

Auch Zirkus geholfen

Über die Facebookgruppe Eschte Alser Kinner wurde die Coronahilfe Alzey auf den in Not geratenen Zirkus Wedrano in Armsheim aufmerksam.
Dieser hatte bereits alle Gelder in die neue Saison investiert und war in Armsheim mit vielen Tieren gestrandet. Als Soforthilfe konnten hier zunächst € 200.- übergeben werden, eine weitere Spendensammlung brachte nochmals über € 1000.- zusammen. Zwischenzeitlich konnte über das Jobcenter entsprechende Hilfe beantragt werden.

Andreas Steinbach von der Coronahilfe Alzey übergab € 200.- Sofort-Hilfe

Tafel wieder geöffnet

Seit einiger Zeit hat die Tafel nun wieder geöffnet, das DRK hat die Arbeit mit der Lebensmittelverteilung erfolgreich beenden können, auch die Coronahilfe Alzey hat am vergangenen Wochenende nun ihre Arbeit eingestellt “Die letzten Wochen wurde überwiegend bürokratische Hilfe geleistet” erklärt Steinbach “einige Haushalte scheuten den Weg zur Beantragung einer Tafelkarte anzugehen, den letzten konnten wir vergangene Woche jedoch nun auch eine Karte besorgen, hierzu gilt der Dank vor allem dem Diakonischen Werk für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit”.
“Dank der Spenden einer Kreistagsfraktion, die die Sitzungsgelder ihrer Kreisräte der Coronahilfe Alzey zukommen ließ, konnten die letzten 4 Wochen die verbliebenen Haushalte auch weiter mit Lebensmittel versorgt werden, bis diese nun einen Tafelausweis haben”
führt Steinbach fort.

EWR sagt Danke für Engagement

Völlig überraschend erhielt Rudi Müller vergangenen Samstag, 27.06.2020 ein Schreiben der EWR AG. Auf einem Instagrampost habe man Menschen melden können, die sich in der Krisenzeit besonders engagierten “Hier hat mich wohl jemand vorgeschlagen – und das EWR hat mir als Dank tatsächlich einen Gutschein über 1.000kwh freien Strom zukommen lassen.” zeigt sich Müller sichtlich erfreut.

Rudi Müller erhält als Dank für sein Engagement 1.000kwh freien Strom

Zuschuss vom Land

Auch die Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteilitung des Landes Rheinland Pfalz erkennt das Engagement der beiden Helfer Steinbach und Müller an und hat eine Unkostenerstattung in Höhe von € 360.- bewilligt. “Auch wenn unsere Kosten dadurch natürlich nicht gedeckt werden, so ist dies dennoch eine unglaublich tolle Anerkennung, die uns wirklich freut, zumal wir beim Start nicht einen Gedanken an so etwas verschwendeten”, erklärt Steinbach

Abschließend möchten sich beide Helfer bei allen Spendern und Helfern bedanken “Es war eine teilweise surreale Zeit, die aber eines klar gezeigt hat, nämlich dass die Alzeyer einfach zusammen halten” erklären die beiden abschließend.

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