Foto: Friederike Roll / Fotomontage: Alzeyer Zeitung

Die Alzeyer Zeitung hat alle Kandidaten im Wahlkreis 34 (Alzey) zur Landtagswahl mit einem umfangreichen Fragenkatalog angeschrieben. Heute stellt sich Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) den Fragen. Wir veröffentlichen ihre Antworten im Wortlaut 1:1 – ungefiltert.

Welche drei politischen Schwerpunkte setzen Sie für den Wahlkreis Alzey in der kommenden Legislaturperiode?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Mein erster Schwerpunkt ist die Stärkung des ländlichen Raums – durch verlässliche Infrastruktur, gut ausgestattete Kommunen, Digitalisierung und gleichwertige Lebensverhältnisse für Jung und Alt, Alteingesessene und Zugezogene. Zweitens setze ich auf eine nachhaltige und regionale Wirtschaft, die ökologische Verantwortung, Innovation und Arbeitsplätze zusammenbringt. Tradition und Zukunft, das merke ich auch täglich in unserem Weinbaubetrieb, sind keine Gegensätze. Landespolitik muss hier kleine und mittlere Unternehmen aus allen Branchen unterstützen. Drittens ist mir ein pragmatischer Klimaschutz mit lokalem Nutzen wichtig – etwa durch erneuerbare Energien, Klimaanpassung und Mobilität, die den Alltag erleichtert.

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Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die drängendsten Probleme im Wahlkreis?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Vor Ort erlebe ich besonders die angespannte Finanzlage der Kommunen, Lücken im ÖPNV und der Radinfrastruktur sowie den zunehmenden Fachkräftemangel. Hinzu kommen der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, drohende Engpässe bei Gesundheitsversorgung und Pflege und die spürbaren Folgen der Klimaveränderung. Auch die Digitalisierung in Schulen, Verwaltung und Betrieben kommt zu kurz, etwa wenn kleine Gemeinden ihre Verwaltungsabläufe digital nicht effizient gestalten können – das ist ein Punkt, bei dem ich als Gemeinderätin regelmäßig Handlungsbedarf sehe.

Welche Themen oder Projekte wurden in den vergangenen Jahren vernachlässigt und müssen dringend angegangen werden?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Zu lange vernachlässigt wurden Klimaanpassung, wie Wasserrückhalt und Hitzevorsorge, sowie eine strategische Mobilitätsplanung. Auch die Stärkung der kommunalen Handlungsfähigkeit ist zu kurz gekommen. Ein gutes Beispiel aus meiner Erfahrung: Fördermittel werden oft nicht ausgeschöpft, weil die Verwaltung keine Zeit oder Kapazitäten hat – das will ich ändern, mit praxisnahen, digitalen Lösungen. Vernachlässigt wurde ebenso eine vorausschauende Strategie für die Gesundheitsversorgung und Pflege im ländlichen Raum sowie die systematische Unterstützung von Ehrenamt und Vereinen, die unsere Dörfer und Städte zusammenhalten.

Was wurde aus Ihrer Sicht von der bisherigen Landespolitik bzw. den bisherigen Abgeordneten für den Wahlkreis gut und erfolgreich umgesetzt?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Die grün geführte Landespolitik hat wichtige Schritte gemacht: Ausbau erneuerbarer Energien, Unterstützung der Kommunen und Bildungsinvestitionen. Diese Erfolge bilden eine solide Grundlage, auf der wir aufbauen können – etwa für regionale Wertschöpfung. Immer wieder zeigen Initiativen wie lokale Hofläden und kleine Genossenschaften, wie Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehen. Positiv sehe ich auch, dass Beteiligungsformate, Klimaschutzkonzepte und Programme für die Stärkung des ÖPNV und des Radverkehrs auf den Weg gebracht wurden – sie müssen nun konsequent weiterentwickelt und im ländlichen Raum praxistauglich umgesetzt werden.

Was hätten Sie an der bisherigen Arbeit Ihrer Vorgänger anders gemacht? Welche konkreten Änderungen streben Sie an?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Ich hätte früher auf verbindliche Beteiligung der Kommunen und Bürger:innen gesetzt. Demokratie lebt davon, dass Menschen sehen, dass ihre Stimme zählt. Künftig will ich Entscheidungsprozesse systematischer öffnen und regionale Perspektiven einbeziehen – etwa Bürgerbeteiligung bei Ortsentwicklungsprojekten, wo neue Radwege, Spielplätze oder Dorfplätze entstehen. Als Gemeinderätin weiß ich, dass solche Einbindung bessere Lösungen liefert, Vertrauen schafft und den Menschen das Gefühl gibt ernst genommen zu werden. Ich will außerdem deutlicher und konsequenter gegen Rechtsextremismus und Hass auftreten. Der Staat muss hier seine rechtlichen Möglichkeiten einerseits voll ausschöpfen, andererseits aber auch die Zivilgesellschaft stärken und Politik so erklären, dass Entscheidungen nachvollziehbar sind – gerade in unsicheren Zeiten.

Welche konkreten Maßnahmen planen Sie für Wirtschaft und Arbeitsplätze in der Region?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Ich setze auf regionale Wertschöpfung. Der Mittelstand, das Handwerk, der Tourismus und die Landwirtschaft sind der Garant für Wohlstand auch im ländlichen Raum. Förderprogramme müssen praxisnah sein. Ein Beispiel: Außerhausverpflegung in Kitas und Schulen. Wenn wir hier auf frische, regionale und möglichst biologische Lebensmittel setzen, entstehen Arbeitsplätze vor Ort, Betriebe profitieren direkt, und Kinder erhalten gesunde Mahlzeiten – ein Thema, das mich als Mutter von zwei Teenagern besonders bewegt. Zusätzlich möchte ich Gründungen und Nachfolge im Handwerk und in der Landwirtschaft erleichtern, Bürokratie für kleine Betriebe reduzieren und die berufliche Bildung stärken – etwa durch bessere Zusammenarbeit von Schulen, Betrieben und Berufsschulen, damit junge Menschen hier ausgebildet werden und bleiben können. Eine starke und nachhaltige Infrastruktur und umfassende Digitalisierung machen es für Unternehmen nicht nur leichter, Geschäfte zu machen, sondern steigern auch die Attraktivität der Region für Arbeitnehmer. In Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik.

Wie wollen Sie die kommunale Finanzausstattung und die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden stärken?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Kommunen sollen wieder gestalten können, statt nur zu verwalten. Dafür braucht es auskömmliche Finanzierung, weniger Bürokratie und bessere Planungssicherheit – insbesondere, wenn neue Aufgaben durch Bundes- oder Landespolitik hinzukommen. Investitionen in Bildung, Betreuung, Klimaschutz, Digitalisierung und regionale Wirtschaft zahlen sich langfristig aus und sichern den Wohlstand von Morgen.

Welche Position vertreten Sie in der Bildungs- und Schulpolitik, insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Bildung darf nicht vom Wohnort abhängen. Kleine Schulen müssen erhalten bleiben, ausgestattet mit modernen digitalen Medien und verlässlichen Ganztagsangeboten. Im Bereich der weiterführenden Schulen setze ich mich für einen Ausbau der Integrierten Gesamtschulen ein, die bei uns im Landkreis derzeit der Nachfrage nicht gerecht werden können. Schule ist aber mehr als nur die Schulform, sie muss jedes Kind auf die Herausforderungen einer oft unsicheren Zukunft vorbereiten. Dazu gehören für mich multiprofessionelle Teams, die Kindern mit unterschiedlichsten Voraussetzungen – etwa mit Behinderung, Fluchtgeschichte, aus einkommensschwachen Familien, und solchen mit besonderen Begabungen – die besten Voraussetzungen bieten. Mir ist auch wichtig, dass Schulen gut erreichbar sind. Gute Bildung im ländlichen Raum heißt für mich: kurze Wege, starke Schulstandorte und ein Umfeld, in dem Lernen und Leben zusammen gedacht werden. Ein Beispiel: Lernpatenschaften zwischen Betrieben und Schulen, bei denen Jugendliche Einblicke in regionale Betriebe bekommen – das fördert Bildung, Motivation und spätere Beschäftigungsmöglichkeiten, die ich aus meiner Erfahrung als Mutter besonders schätze.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten verkehrspolitischen Vorhaben im Wahlkreis?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Priorität hat ein verlässlicher ÖPNV, sichere Rad- und Fußwege sowie die Sanierung bestehender Straßen. Dass man als Mutter in vielen Ortsgemeinden ein mulmiges Gefühl hat, wenn die Kinder mit dem Fahrrad unterwegs sind, muss sich ändern. Auch im ländlichen Raum sind sichere Ortschaften und ein gutes Radwegenetz möglich, wenn das Fahrrad als wichtiges Verkehrsmittel anerkannt wird. Neben einer zukunftsgerechten Gestaltung der Ortskerne setze ich mich darum auch für die Schaffung eines regionalen Radschnellwegenetzes ein. Flexible Angebote wie Rufbusse oder Fahrradstraßen zeigen außerdem, wie eine vielfältige Mobilität im ländlichen Raum klimafreundlich, alltagstauglich und digital unterstützt für alle Bevölkerungsgruppen funktionieren kann. Ich setze mich dafür ein, Taktungen zu verbessern, Umsteigepunkte sinnvoll zu gestalten und insbesondere für Jugendliche, ältere Menschen und Berufspendler verlässliche Angebote zu schaffen. Daneben brauchen wir sichere Schulwege, bessere Verknüpfung von Bus, Bahn und Rad sowie die Förderung von Sharing-Angeboten, damit auch ohne eigenes Auto Teilhabe möglich ist.

Wodurch unterscheiden Sie sich politisch und inhaltlich am deutlichsten von Ihren Mitbewerbern?

Friederike Roll (Bündnis 90/DIE GRÜNEN): Ich unterscheide mich dadurch, dass ich nicht nur Ziele formuliere, sondern den Weg dorthin klar benenne. Einfach gegen etwas zu sein ist leicht, hilft aber nicht weiter. Unsere Aufgabe ist, die Region für die Zukunft zu wappnen – mit Lösungen, die realistisch, konkret und regional angepasst sind. Mir ist besonders wichtig, Demokratie zu stärken: transparente Entscheidungen, Beteiligung ernst nehmen und Lösungen erklären. Gleichzeitig setze ich auf Maßnahmen, die soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele verbinden – etwa bei Ernährung, Bildung, Mobilität, Digitalisierung und regionaler Wirtschaft. Durch meine Erfahrung in der Kommunalpolitik, meine Arbeit in einem lokalen Weinbaubetrieb, meine Perspektive als Mutter von zwei Teenagern und meine juristische Ausbildung bringe ich Einblicke, Verantwortung und praktische Lösungskompetenz mit, die andere so nicht bieten können.