Verwaltungsdirektor Frank Müller

Alzey (as) – Nachdem inzwischen feststeht, welche Leistungsgruppen dem Kreiskrankenhaus Alzey im Zuge der Krankenhausreform zugewiesen werden, hat die Alzeyer Zeitung mit dem Verwaltungsdirektor Frank Müller über die Folgen für den Standort gesprochen. Dabei wird deutlich: Für das Krankenhaus ist die Entscheidung vor allem deshalb wichtig, weil zentrale medizinische Angebote erhalten bleiben können.

„Das Beste an dieser Nachricht ist eigentlich für die Bevölkerung“, sagt Müller. Denn die Bereiche, für die das Kreiskrankenhaus Alzey bislang steht, seien auch im neuen System genehmigt worden und könnten grundsätzlich weitergeführt werden.

Ganz selbstverständlich sei das allerdings nicht gewesen.

Nachweise reichten teilweise noch in die DRK-Zeit zurück

Eine Herausforderung habe insbesondere darin bestanden, die geforderten Kriterien und Fallzahlen nachzuweisen.
„Schwierig war für uns, die Bewertungskriterien nachzuweisen, da Zeiträume dafür noch in die Zeit des DRK-Krankenhauses fielen“, erklärt Müller.

Besonders gespannt habe man auf die Entscheidung zur HNO-Chirurgie geblickt.
„Bekommen wir die HNO-Chirurgie noch mit rein? Das war ein großes Fragezeichen“, sagt Müller.

HNO-Chirurgie bleibt in Alzey möglich

Dass der Bereich nun weitergeführt werden kann, bezeichnet Müller als wichtigen Erfolg. Eine entscheidende Rolle spiele dabei die gesetzliche Möglichkeit, auch niedergelassene Ärzte entsprechend anzurechnen.

Mit Dr. Heinritz und Prof. Dr. Dr. Dr. Ziebart verfüge das Kreiskrankenhaus hier über zwei erfahrene Experten.
Für die Patienten sei der Erhalt des Angebots von besonderer Bedeutung.

„Einige Operationen können auch nicht ambulant gemacht werden, diese müssen in eine Klinik. Könnten wir dies nicht mehr anbieten, würden sich die Wartelisten in den anderen Krankenhäusern entsprechend erhöhen“, erklärt Müller und sricht deshalb von einem „Etappensieg“.

Gleichzeitig soll der Bereich weiter gestärkt werden. Das Krankenhaus hofft darauf, weitere HNO-Ärzte zu gewinnen, die künftig operative Eingriffe in Alzey durchführen.
„Wir werden auch aktiv auf HNO-Ärzte zugehen“, kündigt Müller an.

Endoprothetik ebenfalls wichtiger Schwerpunkt

Auch die Endoprothetik spielt für die weitere Entwicklung des Kreiskrankenhauses eine zentrale Rolle. Hier habe man bereits zahlreiche Fachärzte eingestellt, um die Voraussetzungen der entsprechenden Leistungsgruppe erfüllen zu können.
Auch die notwendigen Fallzahlen konnten nach Angaben Müllers nachgewiesen werden.
Nun gehe es darum, dieses Niveau dauerhaft zu halten.

„Jetzt gilt es, das Vertrauen der Patienten weiter zu gewinnen, um die Quote halten zu können“, sagt Müller.
Dabei spielt nicht nur die Zahl der Behandlungen eine Rolle. Ebenso wichtig ist die dauerhafte personelle Besetzung.
„Wir müssen innerhalb eines Monats bei Wegfall eines Facharztes einen neuen vorweisen können, um das Leistungsspektrum halten zu können“, erklärt der Klinikleiter.

Damit zeigt sich zugleich eine der großen Herausforderungen der Reform: Nicht nur vorhandene Strukturen entscheiden über das zukünftige Angebot einer Klinik, sondern zunehmend auch die Frage, ob ausreichend qualifiziertes Personal dauerhaft zur Verfügung steht.

Alzey soll sich weiter spezialisieren

Auf die Frage, wo Müller das Kreiskrankenhaus in fünf Jahren sieht – weiterhin vor allem als klassischen Grund- und Regelversorger oder zunehmend als spezialisierten regionalen Standort – verweist er auf die grundsätzliche Richtung der Krankenhausreform.
„Die Gesetzgebung möchte ja den Spezialisierungsgrad“, sagt Müller.
Hochkomplexe Fälle sollen nach seiner Einschätzung zunehmend an großen Zentren wie der Universitätsmedizin Mainz behandelt werden. Gleichzeitig will das Kreiskrankenhaus Alzey die Zusammenarbeit mit Mainz weiter ausbauen.
Ein Beispiel dafür ist die Neurochirurgie.

Nachdem Dr. Filippi keine Operationen mehr im Kreiskrankenhaus Alzey durchführt, habe man kurzfristig auf Unterstützung aus Mainz zurückgreifen können. Univ.-Prof. Dr. Marian Neidert, seit Juni 2026 Leiter der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, soll nach derzeitiger Planung künftig zweimal pro Woche in Alzey operieren.

Auch Patienteninformationstage beziehungsweise regelmäßige Möglichkeiten zur Vorstellung sind geplant. Patienten mit entsprechenden Beschwerden sollen dadurch möglichst wohnortnah zunächst weiterhin fachärztlich beurteilt werden können.

Die Richtung ist damit klar: Hochspezialisierte Medizin soll stärker über Kooperationen an den Standort Alzey geholt werden.

Veränderungen anderer Kliniken könnten Patientenströme verschieben

Mit der Krankenhausreform verändert sich gleichzeitig die Versorgung an mehreren Standorten in Rheinland-Pfalz. Sieben Kliniken sollen künftig als sogenannte Regiokliniken beziehungsweise sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen weitergeführt werden.
Damit werden dort bestimmte Notfall- und Spezialleistungen künftig nicht mehr im bisherigen Umfang angeboten.

Für betroffene Patienten könne dies durchaus weitere Wege bedeuten, räumt Müller ein.
Für die Region Alzey sieht er die Situation jedoch deutlich positiver. Das Kreiskrankenhaus könne auch künftig eine breite Versorgung anbieten.
Dabei verweist Müller auf einen Satz, der bereits groß an der Pforte des Krankenhauses steht:

„WIR SIND FÜR ALLE DA“

„Diesen wollen wir auch ernst nehmen“, sagt Müller. Dank der nun getroffenen Regelungen könne das Krankenhaus diesem Anspruch auch weiterhin gerecht werden – unabhängig davon, woher die Patienten kommen.

Reform ist für Alzey noch nicht endgültig abgeschlossen

Trotz der positiven Entscheidungen ist die Krankenhausreform für das Kreiskrankenhaus damit noch längst nicht beendet.
Mit der sogenannten Konvergenzphase beginnt in den kommenden Jahren der schrittweise Übergang zur neuen leistungsgruppenspezifischen Vorhaltevergütung. 2028 und 2029 erfolgt die weitere Umstellung, ab 2030 soll das neue Finanzierungssystem vollständig greifen.

Für Alzey bedeutet das: Die erste entscheidende Hürde ist genommen. Nun müssen Fallzahlen, Qualitätsvorgaben und Facharztbesetzung dauerhaft erfüllt werden.
Frank Müllers Begriff vom „Etappensieg“ trifft die Lage deshalb ziemlich genau. Das Kreiskrankenhaus hat sich wichtige Leistungsbereiche gesichert – nun geht es darum, diese auch langfristig zu erhalten und den Standort medizinisch weiterzuentwickeln.