ALZEY-WORMS (k)- Der Kreistag des Landkreises Alzey-Worms hat in seiner jüngsten Sitzung das Integrierte Vorreiter-Klimaschutzkonzept einschließlich des dazugehörigen Maßnahmenkatalogs und eines Handlungsrahmens beschlossen. Damit verfügt der Landkreis über eine strategische Grundlage für die zukünftige Ausrichtung seiner Klimaschutzarbeit.
Landrat Heiko Sippel betonte, dass mit dem neuen Konzept an die erfolgreiche Umsetzung des bisherigen Klimaschutzkonzepts aus dem Jahr 2013 angeknüpft werde. Zugleich stelle es die Klimaschutzarbeit im Landkreis auf eine zukunftsweisende Basis. Bereits heute könne der Strombedarf im Landkreis rechnerisch zu 164 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Das neue Konzept zeige auf, wo der Landkreis aktuell stehe, welche Herausforderungen bevorstünden und welche konkreten Handlungsmöglichkeiten bestünden. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels sei es notwendig, zügig voranzugehen. Erste Umsetzungsschritte sind für das Jahr 2026 vorgesehen.
Mit der Erstellung des Konzepts hatte die Kreisverwaltung die EWR Climate Connection GmbH, eine Tochtergesellschaft der EWR AG aus Worms, beauftragt. Die Erarbeitung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den sechs Verbandsgemeinden sowie der Stadt Alzey und unter aktiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Björn Bein von der EWR Climate Connection stellte das Konzept im Kreistag vor und verwies auf die bestehenden strukturellen Herausforderungen im Landkreis. Der Wärme- und Energiebedarf werde derzeit überwiegend durch fossile Energieträger gedeckt, auch in den kreiseigenen Liegenschaften. Diese Ausgangslage führe zu hohen Treibhausgasemissionen und mache deutlich, dass die bisherige Energieversorgung angesichts steigender Gaspreise und Netzentgelte langfristig nicht zukunftsfähig sei.
Zentrale Aufgabe sei es, den Transformationsprozess hin zu erneuerbaren Energien technisch, organisatorisch und finanziell so zu gestalten, dass er für alle Beteiligten umsetzbar bleibe. Gleichzeitig zeige das Konzept, dass bereits heute erhebliche Potenziale vorhanden seien. Dazu zählten insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugung, Effizienzmaßnahmen in kreiseigenen Liegenschaften sowie strategische Ansätze in den Bereichen Mobilität und Gebäudesanierung. Empfohlen wird, diese Potenziale systematisch zu erschließen, indem der Landkreis seine Rolle als koordinierende Stelle stärkt, die Kommunen fachlich begleitet und durch Monitoring, Energieberichte sowie klare Standards ein verlässliches Steuerungsumfeld schafft.
Landrat Sippel hob hervor, dass Klimaschutz auf Landkreisebene dann wirksam werde, wenn Entscheidungen gut vorbereitet, technische Lösungen frühzeitig geprüft und Fördermöglichkeiten konsequent genutzt würden. Mit dem beschlossenen Handlungsrahmen erhielten sowohl die politischen Gremien als auch die Öffentlichkeit eine klare Orientierung.
Nach der Verabschiedung durch den Kreistag soll die Umsetzung des Konzepts schrittweise erfolgen. Der Maßnahmenkatalog dient dabei als Grundlage für Priorisierung, Zeitplanung und den Einsatz von Ressourcen. Maßnahmen unter anderem im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, die schrittweise Umsetzung des Radverkehrskonzepts sowie eine Energieeffizienzkampagne und Energieberatung werden in bestehende Verwaltungsabläufe integriert und in enger Abstimmung zwischen den Fachbereichen, dem Gebäudemanagement und dem Klimamanagement weiter konkretisiert.
Für die kreiseigenen Liegenschaften erfolgt die Umsetzung auf Basis der Prioritätenliste für Baumaßnahmen des Gebäudemanagements, ergänzt durch die im Rahmen des Konzepts erarbeitete Dekarbonisierungsstrategie zur Reduzierung und Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen. Daraus sollen objektbezogene Umsetzungsfahrpläne abgeleitet werden. Die IGS Osthofen ist als Modellprojekt vorgesehen.
Eine regelmäßige wissenschaftliche Evaluierung soll sicherstellen, dass Fortschritte transparent gemacht, Maßnahmen bei Bedarf angepasst und politische Entscheidungen auf einer verlässlichen Datengrundlage getroffen werden können. Ziel ist es, die Klimaneutralität der Kreisverwaltung bis 2035 sowie die Klimaziele für das gesamte Kreisgebiet bis 2040 konsequent umzusetzen.





























