Alzey (as) – Mit dem Neubau einer Schwimmhalle am Wartbergbad steht Alzey vor einem der größten Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre. Rund 150 Bürger verfolgten am Dienstagabend in der Stadthalle die Vorstellung der konkreten Planungen durch das Planungsbüro kplan AG sowie die städtischen Architekten Silvia Schappert und Pascal Agather.
Nach Angaben der Verantwortlichen soll das Projekt den Schwimmstandort Alzey langfristig sichern und sowohl Schulen als auch Vereinen und Freizeitschwimmern zugutekommen. Gleichzeitig bringt das Vorhaben erhebliche Investitionen und eine mehrjährige Einschränkung des Badebetriebs mit sich.
Stadt setzt auf langfristige Investition
Bürgermeister Steffen Jung bezeichnete den Bau der Schwimmhalle als notwendige Investition in die Zukunft. Während vielerorts Schwimmbäder geschlossen oder freiwillige Leistungen zurückgefahren würden, wolle Alzey bewusst einen anderen Weg gehen. Ziel sei es, die Infrastruktur für die kommenden drei bis vier Jahrzehnte zu sichern und die Vereine langfristig zu stärken.
Der Informationsabend sei bewusst transparent gestaltet worden. Die Planungen wurden offen vorgestellt und die zugrunde liegenden Entscheidungen erläutert. Dabei wurde auch deutlich, dass die Bevölkerung für zwei komplette Freibadsaisons auf das Wartbergbad verzichten muss. Eine Interimslösung während der Bauzeit wird es nicht geben.
25-Meter-Becken bildet das Herzstück
Kern der neuen Anlage wird ein 25 Meter langes und zehn Meter breites Kombibecken sein. Die Wassertiefe soll zwischen 0,90 und 2,00 Metern variieren. Auf einen Hubboden wird bewusst verzichtet, um Kosten und technische Störanfälligkeit zu reduzieren.
Für den Trainingsbetrieb des Schwimmclubs sind auf einer Seite des Beckens Startblöcke vorgesehen. Damit soll die Anlage sowohl für das regelmäßige Training als auch für vereinsinterne Wettkämpfe geeignet sein.
Neubau ersetzt bisherigen Eingangsbereich
Die Schwimmhalle entsteht auf dem Gelände des Wartbergbads. Dafür werden der bestehende Eingangs- und Sanitärbereich vollständig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Geplant sind neben der Schwimmhalle neue Umkleiden, Duschen und Sanitäranlagen sowie ein gemeinsamer Kassenbereich für Frei- und Hallenbad. Auch ein Kiosk ist vorgesehen.
Die technische Infrastruktur wird in einem rund vier Meter hohen Kellergeschoss untergebracht. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Lage am Wartberg dar. Das Gebäude muss teilweise in den Hang eingebaut werden. Neben dem felsigen Untergrund spielt dabei auch der hohe Grundwasserspiegel eine Rolle.
Holz-Hybrid-Bauweise und viel Grün
Architektonisch soll sich der Neubau in die vorhandene Topografie einfügen. Der bestehende Baumbestand soll weitgehend erhalten bleiben und teilweise durch Neupflanzungen ergänzt werden.
Vorgesehen ist eine Holz-Hybrid-Bauweise. Eine großzügige Pfosten-Riegel-Fassade soll eine optische Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich schaffen und Frei- und Hallenbad miteinander verknüpfen. Nach Angaben des Planungsbüros entsteht damit ein funktionales und wirtschaftliches Gebäude, das beide Nutzungen miteinander verbindet.
Auch die Außenanlagen und der Parkplatzbereich sollen modernisiert werden. In den Planungen spielt die Begrünung der Anlage eine wichtige Rolle.
Freibad schließt für zwei Jahre
Der vorgestellte Zeitplan sieht vor, dass die Freibadsaison 2027 noch regulär bis Mitte August stattfinden kann. Anschließend beginnen die Abbrucharbeiten am bisherigen Funktionsgebäude.
Die Freibadsaisons 2028 und 2029 entfallen vollständig. Das Wartbergbad bleibt in diesen beiden Jahren geschlossen.
Ab Frühjahr 2030 soll der Freibadbetrieb wieder aufgenommen werden. Die neue Schwimmhalle soll im Herbst 2030 ihren Betrieb aufnehmen. Die Fertigstellung der Außenanlagen ist während des laufenden Freibadbetriebs vorgesehen.
Nach Angaben der Planer enthält der Zeitplan bereits Puffer für mögliche Verzögerungen und soll bewusst realistisch kalkuliert sein.
Warum auf einen Teilbetrieb verzichtet wird
Die Möglichkeit eines eingeschränkten Badebetriebs während der Bauzeit wurde nach Angaben der Verantwortlichen intensiv geprüft. Technisch wäre ein Interimsbetrieb grundsätzlich möglich gewesen, hätte jedoch erhebliche Einschränkungen mit sich gebracht.
Erforderlich wären umfangreiche Containeranlagen für Kasse, Sanitärbereiche, Duschen und Lagerflächen gewesen. Zudem wären die nördlichen Parkplätze entfallen, das Kleinkinderbecken hätte nicht genutzt werden können und es wären zusätzliche Sicherheits- und Haftungsrisiken durch die unmittelbare Nähe von Baustelle und Badebetrieb entstanden. Auch Verzögerungen im Bauablauf sowie Schmutzeinträge in die Becken wurden als mögliche Probleme genannt.
Der Aufsichtsrat der Wartbergbad und Schwimmhalle Alzey Betriebsgesellschaft mbH entschied daher nach eingehender Beratung gegen einen Interimsbetrieb. Durch diese Entscheidung sollen rund 880.000 Euro eingespart und die Bauzeit verkürzt werden.
Geschäftsführer Falk Schuler erklärte, ein Notbetrieb auf einer aktiven Baustelle wäre für die Gäste keine zufriedenstellende Lösung gewesen. Ziel sei es, das Wartbergbad nach Abschluss der Arbeiten möglichst schnell und vollständig wieder zur Verfügung zu stellen.
Vereine und Schulen müssen ausweichen
Von der Schließung besonders betroffen sind der SC Neptun und die DLRG-Ortsgruppe Alzey. Beide Vereine verlieren für die Dauer der Bauarbeiten ihre gewohnte Trainings- und Übungsstätte.
Die Stadt hat zugesagt, die Vereine bei der Suche nach alternativen Trainingsmöglichkeiten zu unterstützen. Bürgermeister Jung verwies darauf, dass dies bereits während der Corona-Pandemie erfolgreich praktiziert worden sei.
Kosten von rund 11,7 Millionen Euro
Die aktuelle Kostenschätzung beläuft sich auf rund 11,7 Millionen Euro. Davon werden 3,28 Millionen Euro durch Bundesfördermittel gedeckt. Der verbleibende Eigenanteil von rund 8,4 Millionen Euro soll gemeinsam von Stadt und Bäderbetrieb getragen werden. Zur Finanzierung soll unter anderem ein Teil des Schuldenfonds (Sondervermögen) des Bundes genutzt werden.
Die höheren Kosten gegenüber früheren Schätzungen begründen die Verantwortlichen mit der inzwischen detaillierten Planung, dem vorgesehenen 25-Meter-Becken mit bis zu zwei Metern Wassertiefe, der Möglichkeit des späteren Parallelbetriebs von Frei- und Hallenbad sowie den gestiegenen Baupreisen.
Nächste Schritte bis zum Baustart
In den kommenden Monaten stehen die Ausführungsplanung, das Baugenehmigungsverfahren und die Ausschreibung der Bauleistungen an. Ziel ist es, alle Vorbereitungen rechtzeitig abzuschließen, damit die Bauarbeiten unmittelbar nach den Sommerferien 2027 beginnen können.
Mit der neuen Schwimmhalle soll das Wartbergbad künftig ganzjährig nutzbar sein und langfristig die Voraussetzungen für Schulschwimmen, Vereinssport und Freizeitbetrieb in Alzey sichern.





























