Anne Spiegel ©MUEEF/Heike Rost; © MUEEF/Heike Rost
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-Ein Gastbeitrag von Klaus Kelle-

Liebe Leserinnen und Leser,
Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne), die während der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer einen vierwöchigen Familienurlaub in Frankreich absolvierte, hat diese Reise als Fehler bezeichnet und sich dafür entschuldigt. Spiegel war damals noch nicht Bundes-, sondern Umweltministerin im am stärksten betroffenen Bundesland Rheinland-Pfalz, was die Sache nicht besser, sondern schlimmer macht.

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Die Grüne Spitzenfrau versuchte sich damit zu erklären, dass der Gesundheitszustand ihres Mannes (Schlaganfall) damals schlecht war und ihre vier Kinder durch die Corona-Pandemie arg belastet wurden. Ihre Familie habe einfach Urlaub gebraucht.

Sie habe unmittelbar nach der Flut damals einen Krisenstab eingesetzt und weitere Maßnahmen auf den Weg gebracht. Die Abwägung zwischen ihrer Verantwortung als Ministerin und als Mutter sei ihr schwer gefallen. Sie habe daher entschieden, in den Urlaub zu fahren. Dies sei ein Fehler gewesen, für den sie sich entschuldige. Während ihres Urlaubs sei sie immer erreichbar gewesen, habe Telefonate geführt und sich informiert.

Man mag Verständnis für eine solche familiäre Ausnahmesituation haben, wer erlebt nicht selbst mal angespannte Lebenssituationen? Aber es hat Hunderttausende Kinder in den Schulen gegeben, die auch durch die Corona-Maßnahmen sehr angespannt waren, und die kein fünfstelliges Monatsgehalt haben, das Sie bekommen, damit sie sich um ihr Land und seine Menschen kümmern. Zur Erinnerung: Von den 180 Todesopfern der Flutkatastrophe starben damals 134 im Ahrtal in Rheinland-Pfalz.

Und wir alle haben auch noch die Messenger-Protokolle im Gedächtnis, in denen sich die Ministerin mit ihren PR-Leuten austauscht, wie sie persönlich am besten politisch aus der Katastrophe Honig saugen kann. Da sind die Grünen, die immer so gut sein wollen, innerhalb von wenigen Minuten auch mal total entzaubert. Die sind ja genau wie die anderen, denkt man dann unwillkürlich als Bürger.

CDU-Chef Friedrich Merz fordert nun Spiegels Entlassung ebenso wie der familienpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Martin Reichardt, und der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU, Josef Hovenjürgen. Die beiden CDU-Männer dürften besonders die Malle-Sause ihrer NRW-Minister(innen) Ursula Heinen-Esser und Ina Scharrenbach und Stephan Holthof-Pförtner vor Augen haben. Und die Bundestagsabgeordnete Serap Güler war auch dabei. Scharrenbach hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt, Heinen-Esser ist zügig zurückgetreten. Was blieb ihr übrig? Im Mai ist Landtagswahl in NRW, und CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst muss um seinen Job in der Düsseldorfer Staatskanzlei bangen.

Also: Schwamm drüber bei Frau Spiegel, weil sie es ja auch nicht leicht hatte?

Das ist völlig inakzeptabel, selbst wenn man konstantiert, dass sie persönlich damals eine schwere Zeit hatte. Eine Frau, die unser Land mitregiert, die in Berlin am Kabinettstisch sitzt, kann gern für sich entscheiden, das Wohlergehen der eigenen Familie über alles zu stellen. Wer würde das menschlich nicht nachvollziehen können?

Aber Bundesministerin kann sie nach dieser offenen Demonstration ihrer Prioritäten auf keinen Fall bleiben.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle (via The GermanZ)


Gastbeiträge geben immer die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht die der Redaktion.


Klaus Kelle
Bild: Sven Teschke/CC BY-SA 3.0 de

Über Klaus Kelle: Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.

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