Alzey-Worms (as) – Täglich sind zehntausende Beschäftigte auf dem Weg zur Arbeit über die Grenzen des Landkreises Alzey-Worms unterwegs. Nach der aktuellen Pendler-Statistik der Bundesagentur für Arbeit kommen 14.910 Beschäftigte von außerhalb in den Landkreis, um hier zu arbeiten. Gleichzeitig wohnen 36.760 Beschäftigte im Kreis Alzey-Worms, arbeiten jedoch außerhalb. Insgesamt betrifft das damit 51.670 Ein- und Auspendler.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Darmstadt und Mainz nimmt diese Zahlen zum Anlass, auf die aus ihrer Sicht hohe finanzielle Belastung durch Arbeitswege hinzuweisen. Längere Wege zur Arbeit seien ein „Co-Faktor beim Job, der Zeit, oft Nerven und vor allem auch Geld kostet“.
Gewerkschaft sieht vor allem Geringverdiener belastet
Besonders kritisch bewertet die NGG die Kosten für Beschäftigte, die für den Arbeitsweg auf das Auto angewiesen sind. „Hohe Spritpreise belasten viele Privathaushalte im Kreis Alzey-Worms. Dabei reißen gerade auch die Fahrten zum Arbeitsplatz Löcher in die Haushaltskassen. Vor allem dann, wenn Berufspendler dabei aufs Auto angewiesen sind. Geringverdiener trifft das besonders hart. Erst recht, wenn sie nur den Mindestlohn verdienen“, sagt Guido Noll, Geschäftsführer der NGG Darmstadt und Mainz.
Die Gewerkschaft fordert deshalb die Einführung eines sogenannten „Mobilitätsgeldes“. Vorgesehen sind nach den Vorstellungen der NGG 17 Cent je Kilometer. Dieser Betrag solle unabhängig von der Höhe des Einkommens einheitlich vom Staat ausgezahlt oder direkt beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden.
NGG will auch Arbeitgeber stärker einbinden
Bis zu einer möglichen Einführung eines solchen Mobilitätsgeldes sieht die Gewerkschaft auch die Unternehmen in der Pflicht. „Solange das Mobilitätsgeld noch auf sich warten lässt und die Spritpreise nicht wieder deutlich fallen, muss ein Wegegeld-Zuschuss für Job-Pendler Thema in den Betrieben sein. Viele fahren eine Dreiviertelstunde, manche sogar eine Stunde oder länger“, erklärt Noll.
Nach Angaben der NGG sollen Fahrtkosten künftig stärker in Tarifverhandlungen einbezogen werden. Dabei nennt Noll verschiedene Möglichkeiten: „Das fängt bei den 63 Euro pro Monat fürs Deutschland-Ticket an. Und das geht über ein konkretes Wegegeld bis zum günstigen oder freien ‚Stromtanken‘ an der Ladesäule für E-Autos auf dem Firmengelände.“
„Vier Stunden arbeiten für eine Stunde Bahnfahrt“
Neben den Kosten für Autofahrer nimmt die NGG auch die Ticketpreise der Bahn ins Visier. Die Gewerkschaft kritisiert „die zum Teil saftigen Preise für Bahn-Tickets“.
„Wer ohne Bahncard oder rechtzeitig ergattertem Super-Sparpreis in den Zug steigen muss, der wird kräftig zur Kasse gebeten. Vor allem beim Fernverkehr haut das richtig rein“, sagt Noll. Für Menschen mit unteren und selbst mittleren Einkommen grenze Bahnfahren deshalb teilweise an „Mobilitätsluxus“.
Besonders deutlich macht die Gewerkschaft ihre Kritik mit einem Vergleich zum gesetzlichen Mindestlohn. „Wer nur den gesetzlichen Mindestlohn verdient, dem kann es passieren, dass er im Fernverkehr der Deutschen Bahn für eine Stunde Zugfahrt vier Stunden arbeiten muss. Oder sogar mehr. Und dabei geht es um eine Bahnfahrt in der 2. Klasse, versteht sich“, so Noll.
Damit sieht die NGG die Mobilitätskosten zunehmend als Bestandteil der tatsächlichen Belastung durch einen Arbeitsplatz. Die Gewerkschaft kündigt deshalb an, das Thema Fahrtkosten künftig auch bei Tarifverhandlungen stärker aufzugreifen.



























