Framersheim (as) – Mit einem offenen Brief hat sich Kerstin Steiner, Betreiberin von Steiner’s Backshop in der Kirchstraße 22, an die Bevölkerung gewandt. Darin berichtet sie von Gerüchten, persönlichen Enttäuschungen und ihrem Wunsch nach mehr Zusammenhalt. Besonders bedauert sie, dass einige örtliche Vereine ihre Backwaren außerhalb der Gemeinde bestellen würden, ohne zuvor bei ihr ein Angebot einzuholen.

Vor etwa einem Jahr hätten sich Personen in einer örtlichen Gaststätte negativ über sie und ihr Geschäft geäußert und Unwahrheiten verbreitet. Einige Menschen hätten daraufhin ihren Backshop gemieden. Steiner befürchtet, dass sich Ähnliches wiederholen könnte.

Auch das kommunalpolitische Engagement ihres Ehemannes spricht sie an. Dieser besuche Ratssitzungen, stelle Fragen und äußere kritische Meinungen. Sie wünsche sich, dass solche Meinungsverschiedenheiten nicht auf ihren Geschäftsbetrieb übertragen würden. Ob ein solcher Zusammenhang tatsächlich besteht, ist nicht belegt.

Örtliche Vereine sollten heimischen Betrieben eine Chance geben

Besonders nachdenklich stimmt Steiners Hinweis auf Bestellungen örtlicher Vereine. Selbstverständlich könne jeder frei entscheiden, wo er einkauft. Dennoch wünsche sie sich, bei größeren Bestellungen zumindest einmal angefragt zu werden.

Sollten Vereine tatsächlich auf auswärtige Anbieter zurückgreifen, ohne zuvor ein Angebot im eigenen Ort einzuholen, wäre dies bedauerlich. Gerade Vereine stehen für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Dazu gehört auch, heimische Gewerbetreibende angemessen zu berücksichtigen.

Natürlich müssen Preis, Qualität und Zuverlässigkeit stimmen. Doch ein Angebot einzuholen bedeutet schließlich nicht, einen Auftrag vergeben zu müssen. Es eröffnet lediglich eine faire Chance.

Viel Herzblut, aber wenig Resonanz

In einer ergänzenden Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung schildert Steiner, dass sie mit ihrem Backshop bewusst mehr als eine Einkaufsmöglichkeit schaffen wollte.

„Ein Dorfladen ist doch viel mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. Er ist auch ein Ort der Begegnung“, betont sie.

Deshalb habe sie Kaffeenachmittage und Sonntagskaffee angeboten und dafür selbst Kuchen und Torten gebacken. Das Interesse sei jedoch gering geblieben. Auch ihre heiße Theke von Dienstag bis Freitag, mit der sie insbesondere älteren Menschen eine Unterstützung im Alltag bieten möchte, werde bislang wenig angenommen. Gleiches gelte für Frühstücks- und Kaffeeangebote.

Das enttäusche sie, zumal hinter diesen Angeboten viel Arbeit und persönliches Engagement steckten. Sie könne sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass manche Menschen möglicherweise Bedenken hätten, beim Einkauf in ihrem Geschäft gesehen zu werden. Ob dies tatsächlich so sei, wisse sie allerdings nicht.

„Ein kleiner Dorfladen kann nur dann bestehen bleiben, wenn die Menschen vor Ort ihn auch unterstützen. Und manchmal erkennt man erst, wie wertvoll etwas war, wenn es eines Tages nicht mehr da ist.“

Steiner stellt zudem klar, dass sie ihren Backshop eigenständig betreibe und Miete, Nebenkosten sowie Strom selbst bezahle. Eine Finanzierung durch die Ortsgemeinde gebe es nicht.

Zustimmung in den sozialen Medien

Mit ihrem offenen Brief scheint Steiner einen Nerv getroffen zu haben. Erste Reaktionen in den sozialen Medien fallen zustimmend aus.

„Dieser offene Brief berührt mich sehr. Vielen Dank liebe Frau Steiner für Ihren Mut“, schreibt eine Leserin aus Dintesheim und kündigt einen Besuch im Backshop an.

Eine weitere Kommentatorin bezeichnet das Schreiben als mutig und bewundernswert und wünscht der Betreiberin viel Erfolg. Ein anderer Kommentar bringt die Zustimmung auf den Punkt: „Gut geschrieben, trifft voll ins Schwarze.“

Appell für mehr Miteinander

Steiner möchte niemanden zum Einkaufen verpflichten. Ihr gehe es vielmehr um Respekt, Fairness und die Möglichkeit, mit ihrem Angebot zu überzeugen.

„Gebt mir und meinem Backshop eine faire Chance. Bildet euch eure eigene Meinung, bevor ihr über mich urteilt“, lautet ihr Appell.

Der offene Brief wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie ernst nehmen wir den Zusammenhalt in unseren Dörfern, wenn heimische Geschäfte nicht ausreichend berücksichtigt werden?

Wer lebendige Gemeinden und eine funktionierende Nahversorgung erhalten möchte, sollte örtlichen Betrieben auch eine Chance geben. Denn ist ein Dorfladen erst einmal verschwunden, lässt er sich nicht ohne Weiteres zurückholen.

Hier steht der offene Brief zum DOWNLOAD bereit