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Alzey (as) – Ob Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen – unter den Heilmittelerbringern wächst in diesen Tagen allerorts die Verzweiflung. Grund ist, dass wegen der Corona-Krise immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine absagen. Die selbstständigen Praxisinhaber und deren Angestellte bringt das immer näher an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch in Alzey oder Worms nicht nur jetzt in der Krise, sondern auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, was am Ende allen Patienten schadet, da es Heilungsprozesse verzögert oder unmöglich macht.

Merkels Rede gab Anstoss für Verunsicherung

“Dienstleistungsbetriebe wie Körperpflege, Massage, Friseure und Tattoostudios werden geschlossen” sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22.03.2020 im Zuge der neuen Maßnahmen der Bundesregierung und der Länder gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

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“Das hat derart für Verwirrung gesorgt, dass wir aktuell 80% Terminabsagen in unserer Praxis bekamen”, sagt Paul Keslov, Inhaber der OSTEO-FIT Praxis in Alzey.
Sicher sei ein Grund der Umsatzrückgänge einerseits, dass zahlreiche Patienten aus Angst vor der Corona-Welle ihre Termine absagen. „Viele unserer Patienten gehören zur Risikogruppe und bleiben nun lieber zuhause. Viele glauben nach dieser Rede aber auch, dass die Praxen aufgrund der verhängten Kontaktverbote geschlossen sind.“, erläutert Keslov.
Dies sei aber nicht korrekt. Heilmittelerbringer sind systemrelevant, d.h. sie gehören ausdrücklich zum Kern der Gesundheitsversorgung wie Krankenhäuser, Ärzte und Apotheker auch.

Krankenkassen würden durch Zahlung keinen Verlust erleiden

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) fordert finanzielle Soforthilfen von der Gesetzlichen Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen. „Wenn wir keine Leistung erbringen können, entstehen den Krankenkassen keine Kosten. Ganz im Gegenteil: Sie profitieren finanziell von dieser Situation“, sind sich alle SHV-Mitgliedsverbände einig: „Denn die Kosten für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sind im Haushaltsplan der Krankenkassen bereits eingeplant. Es bringt sie also nicht in finanzielle Schwierigkeiten, den Heilmittelerbringern eine Soforthilfe auszuzahlen, um deren Umsatzeinbußen auszugleichen. Für die Krankenkassen ist das ein Nullsummenspiel. Den Heilmittelerbringern rettet das aber deren Existenz– und darauf kommt es im Moment mehr denn je an. Andernfalls ist die Versorgung mit Heilmitteln in der Zukunft gefährdet.“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenerbands.

Rettungsschirm in Rheinland-Pfalz mit am schlechtesten

“Es gibt zwar nun das Corona-Soforthilfepaket für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige” sagt Paul Keslov “aber Rheinland-Pfalz glänzt hier leider mit dem schlechtesten Landespaket”.
Tatsächlich gibt es für Betriebe bis 5 Mitarbeiter neben den € 9.000.- Soforthilfe des Bundes weitere (zusätzliche) Fördermittel der Länder, die leider völlig unterschiedlich ausgestaltet sind.
“Einem Kollegen in Bayern wurde bereits eine zuzsätzliche Landesleistung von € 9.000.- ausgezahlt, welche dort nicht zurück zu zahlen sind.” erklärt Keslov, das Land Rheinland-Pfalz verweist hier lediglich auf einen Kredit der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz, welcher bei der Hausbank zu stellen sei. Eine solch´unterschiedliche Regelung sei fernab einer einheitlichen Solidarität.

Heilmittelbranche aus Krankenhausentlastungsgesetz ausgeschlossen

Eine weitere Hürde sieht der Bundesverband für Ergotherapeuthen in Deutschland e.V. darin, dass die Heilmittelbranche aus dem Krankenhausentlastungsgesetz komplett ausgeschlossen sei, mehr noch, die aktuell verhandelten Verträge und damit die nächsten Preissteigerungen und Erleichterungen sollen erst im Oktober in Kraft treten. “Das ist nicht hinnehmbar”, schreibt die 1. Vorsitzende Gabriele König auf der Webseite des Bundesverbands. “Als unverzichtbarer Teil des Gesundheitswesens müssen Heilmittelerbringer vor den Schäden duch die Pandemie zumindest soweit geschützt werden, dass der Fortbestand gesichert ist” führt sie weiter an.

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