Die Alzeyer Zeitung hat allen Direktkandidaten im Wahlkreis 34 (Alzey) einen identischen Fragenkatalog vorgelegt. Geantwortet haben Adar Belice (BSW), Friederike Roll (Grüne), Patrick Moll (CDU), Filiz Kluba (Linke), Daniela Schmitt (FDP), Heiner Illing (SPD), Sabrina Hinz (Volt) und Sabine Capers (AfD). Die FWG blieb ohne Rückmeldung.
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Die Antworten zeigen: In der Problembeschreibung gibt es viele Überschneidungen. Deutlich auseinander gehen die Konzepte bei den politischen Instrumenten.

Wirtschaft: Entlasten, investieren oder umbauen?

Beim Thema Wirtschaft offenbart sich die klarste programmatische Trennlinie.

Patrick Moll (CDU) und Daniela Schmitt (FDP) setzen vor allem auf Entlastung. Beide fordern schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie und eine effizientere Verwaltung. Schmitt verbindet das mit Innovationsförderung und Digitalisierung als Wachstumstreiber. Moll betont die Beschleunigung von Verfahren als zentrales Mittel, um Investitionen überhaupt möglich zu machen.

Heiner Illing (SPD) argumentiert stärker strukturpolitisch. Wirtschaftsförderung müsse mit Fachkräftesicherung, Infrastrukturinvestitionen und sozialer Absicherung einhergehen. Wachstum allein reiche nicht, wenn regionale Stabilität nicht gesichert sei.

Filiz Kluba (Linke) geht weiter und fordert aktive staatliche Eingriffe: stärkere Landesinvestitionen, mehr Tarifbindung und eine bewusst steuernde Rolle der öffentlichen Hand. Marktmechanismen allein reichten aus ihrer Sicht nicht aus.

Friederike Roll (Grüne) verknüpft Wirtschaft mit Klimapolitik. Förderpolitik soll gezielt nachhaltige Technologien, erneuerbare Energien und energieeffiziente Strukturen stärken. Wirtschaftspolitik wird damit Teil einer ökologischen Transformation.

Sabrina Hinz (Volt) setzt auf Digitalisierung, europäische Vernetzung und innovationsgetriebene Modernisierung. Ihr Ansatz ist weniger klassisch strukturpolitisch, sondern auf Wettbewerbsfähigkeit in einem internationalen Umfeld ausgerichtet.

Sabine Capers (AfD) fordert vor allem den Abbau regulatorischer Vorgaben, mehr kommunale Entscheidungsspielräume und eine Politik, die Betriebe von aus ihrer Sicht übermäßigen Auflagen entlastet. Wirtschaftspolitik wird hier primär als Rücknahme staatlicher Eingriffe verstanden.

Adar Belice (BSW) spricht sich für vereinfachte Förderstrukturen und eine stärkere Ausrichtung auf regionale Bedürfnisse aus. Im Vordergrund steht eine pragmatische, weniger ideologisch geführte Wirtschaftspolitik mit klarer Umsetzungsorientierung.

Bildung: Struktur, Digitalisierung oder soziale Gerechtigkeit?

In der Bildungspolitik sehen alle Kandidaten Handlungsbedarf, aber mit unterschiedlichem Fokus.

Sabine Capers (AfD) fordert den Erhalt kleiner Grundschulen, bessere personelle Ausstattung und eine verlässliche digitale Infrastruktur. Bildungspolitik wird dabei stark mit dem ländlichen Raum verknüpft.

Heiner Illing (SPD) legt den Schwerpunkt auf Chancengleichheit, Ganztagsangebote und strukturelle Absicherung der Schulen. Bildung wird als soziales Gesamtsystem verstanden.

Friederike Roll (Grüne) betont digitale Kompetenzen, moderne Lernformen und Nachhaltigkeit als inhaltliche Leitlinie.

Patrick Moll (CDU) und Daniela Schmitt (FDP) setzen zusätzlich auf stärkere Berufsorientierung und Praxisbezug. Schule müsse besser auf Ausbildung und Arbeitsmarkt vorbereiten.

Filiz Kluba (Linke) fordert kleinere Klassen, zusätzliche Lehrkräfte und gebührenfreie Bildungsangebote. Bildungspolitik wird hier klar als Instrument sozialer Gerechtigkeit definiert.

Sabrina Hinz (Volt) fordert umfassende Digitalisierung, moderne Lehrpläne und stärkere internationale Ausrichtung.

Adar Belice (BSW) hebt wohnortnahe Bildungsangebote und bessere Ausstattung hervor, mit einem pragmatischen Schwerpunkt auf Umsetzbarkeit.

Verkehr: Ausbau mit unterschiedlicher Priorität

Im Verkehrsbereich sprechen sich alle Kandidaten für Investitionen aus, unterscheiden sich jedoch bei der Gewichtung.

Patrick Moll (CDU) und Daniela Schmitt (FDP) priorisieren leistungsfähige Straßen- und Bahnverbindungen als Standortfaktor.

Heiner Illing (SPD) setzt auf Ausbau und bessere Taktung des ÖPNV im ländlichen Raum.

Friederike Roll (Grüne) und Sabrina Hinz (Volt) betonen stärker klimafreundliche Mobilität, Radwege und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Filiz Kluba (Linke) ergänzt den sozialen Aspekt und fordert bezahlbare Mobilität.

Sabine Capers (AfD) fordert den Ausbau der Straßeninfrastruktur und verlässliche Verkehrsverbindungen ohne ideologische Schwerpunktsetzung auf bestimmte Verkehrsträger.

Adar Belice (BSW) plädiert für bedarfsgerechte Lösungen, die sich an regionalen Anforderungen orientieren.

Kommunen, Finanzen und Verwaltung

Bei der finanziellen Ausstattung der Kommunen sehen alle Reformbedarf. Die Wege dahin unterscheiden sich deutlich.

CDU und FDP setzen auf vereinfachte Förderverfahren und weniger bürokratische Hürden.

SPD und Grüne fordern stabile, langfristige Finanzierungsmodelle und Planungssicherheit.

Die Linke verlangt höhere Landeszuweisungen und strukturelle Veränderungen im Finanzierungssystem.

Die AfD spricht sich für stärkere Eigenverantwortung der Kommunen und weniger landesseitige Vorgaben aus.

BSW und Volt betonen effizientere Förderstrukturen und transparentere Prozesse.

Sicherheit und Ordnung

Sicherheit wird besonders deutlich von Sabine Capers (AfD) und Adar Belice (BSW) als politischer Schwerpunkt formuliert. Capers fordert stärkere Polizeipräsenz und eine restriktivere Migrationspolitik. Belice hebt staatliche Handlungsfähigkeit und Ordnungspolitik hervor.

Patrick Moll (CDU) fordert ebenfalls eine solide Ausstattung der Sicherheitsbehörden.

Andere Kandidaten thematisieren Sicherheit eher indirekt im Zusammenhang mit sozialer Stabilität.

Klare Unterschiede bei den politischen Instrumenten

Die Antworten zeigen keine grundlegenden Differenzen bei den Problemfeldern – wohl aber bei den Lösungswegen.

FDP und CDU setzen stark auf Entlastung, Effizienz und marktwirtschaftliche Instrumente.

SPD und Linke betonen staatliche Steuerung und soziale Absicherung in unterschiedlicher Intensität.

Die Grünen koppeln wirtschaftliche und infrastrukturelle Fragen konsequent an Klimapolitik.

Volt stellt Modernisierung und Digitalisierung in den Vordergrund.

AfD und BSW setzen stärker auf Ordnungspolitik, nationale beziehungsweise regionale Handlungsspielräume und eine kritische Haltung gegenüber bestehenden politischen Strukturen.

Damit wird klar: Die Themen sind ähnlich, die politischen Werkzeuge grundverschieden. Für die Wähler im Wahlkreis liegt der Unterschied nicht im „Ob“, sondern im „Wie“.