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Gastbeitrag von Marcel Möller: Da ist sie nun, die gemütliche Jahreszeit. Nun können wir wieder gemütlich auf der Couch mit Plüschdecke und Wärmflasche Lindor Kugeln oder Schokobons in heißer Milch auflösen oder auch ruhig mal einen Karamelbonbon in den Tee statt Kandiszucker geben. In der christlichen Fastenzeit wird verzichtet. In der Adventszeit aber dürfen wir ohne schlechtes Gewissen auch mal schlemmen. Es ist natürlich alles im Laufe der Zeit etwas kommerzieller geworden. Die Fernseher werden immer größer und an Nikolaus gibt’s mittlerweile Geschenke wie bei mir damals als Kind an Weihnachten.

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Das finde ich auch erstmal gar nicht so schlimm. Das ist einfach der Fortschritt der Zeit. Wichtig finde ich nur dabei, dass wir die Menschen nicht vergessen, die nur sehr wenig oder garnix haben. Wenn ich also mit vollen Tüten von Laden zu Laden laufe und am Straßenrand ein wohnungsloser Mensch sitzt, sollte es selbstverständlich sein auch diesem Menschen etwas zukommen zu lassen. Wir sehen leider nur noch uns und unsere Probleme und Nöte und vergessen dabei, dass es Menschen gibt, denen es wesentlich schlechter geht.

Dieses Jahr ist auch noch dazu eine ganz außergewöhnliche Adventszeit. So etwas gab es noch nicht. Und auch ich bin ständig im Duell zwischen Kopf und Herz. Wie im gesamten Leben. Es ist immer ein ständiger Kampf zwischen Kopf und Herz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass keiner von beiden immer Recht hat. Man sagt zwar immer, man soll auf sein Herz hören aber wer schonmal unglücklich verliebt war (also wir alle) weiß, dass man ganz schön auf die Fresse fliegen kann, wenn man nur auf sein Herz hört. Total vom Thema angekommen… Zurück zum Ursprung…

Jedenfalls seit Beginn der Pandemie, habe ich bestimmt schon 5 mal meine Meinung geändert und noch immer bin ich im Gefühlswirrwarr zwischen Herz und Verstand. Mein Verstand sagt mir, wenn ich morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre und die Schulbusse sehe, von innen beschlagen dicht an dicht oder ich selbst eine Rennerei habe einen Test machen zu können, nachdem ich aus dem Ausland gekommen bin und mich keiner wirklich richtig ernst genommen hat, dann sagt mir mein Verstand, dass irgendwas hier komisch ist. Mein Herz allerdings sagt mir, dass es jedes Leben zu schützen gilt. Jedes! Denn warum soll Omi Elsa jetzt sterben, wo sie doch noch unbedingt ihr Urenkelchen kennenlernen möchte oder Mama Heike, die wegen Brustkrebs ein schwaches Immunsystem hat?! Ich habe bis heute keine gefestigte Meinung zu dieser ganzen Thematik. Weil ich einfach auf so viele Fragen keine Antworten bekomme. Ich denke so wie mir, geht’s ganz vielen Menschen. Man ist so hin und her gerissen. Es geht ja nicht mehr einfach nur um die Maske. Die Maske ist das kleinste Problem. Es geht um menschliche Bedürfnisse. Umarmungen, Zerstreuung in der Discothek, Kneipe, Kino oder Theater. Es geht um Geselligkeit und Menschen die gerade vereinsamen. Es geht darum dass Kinder die Mimik der Erwachsenen nicht sehen können, was so wichtig ist für die psychische Entwicklung. Es geht um so viele subtile, unbewusste Defizite, die wir alle im Moment haben. Deswegen mag ich gerne an das Miteinander appellieren. An das Verständnis für unsere Mitmenschen. Wenn ich nämlich mit geregeltem Einkommen im home office sitze und den Einkaufswagen voller Geschenke habe, habe ich keinen blassen Schimmer davon was es für die Gastronomen und den vielen Menschen aus der Kulterbranche heißt, kein Geld zu verdienen.

Die allermeisten Kneipenwirte oder Café Besitzer sind nicht wirklich reich. Sie leben von den Einnahmen und ernähren ihre Familie davon und kleiden ihre Kinder ein. Dazu kommen natürlich im Moment Existenzängste. Auf der anderen Seite sollten wir aber auch an die vielen völlig unterbezahlten Pflegekräfte in den vom Staat bis auf’s Zahnfleisch runter gesparten Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser denken. Wo wären wir vielleicht ohne Maßnahmen? Würde das alles zusammen brechen? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, wie wir alle im Moment. Niemand weiß was richtig und falsch ist. Deswegen lasst uns eine friedliche Adventszeit zusammen verbringen und Verständnis und Mitgefühl für andere Menschen haben. Lasst uns einander achten und unterschiedliche Meinungen und Gedanken auf friedliche Art und Weise austauschen und akzeptieren. So lange es Menschen gab und gibt, wird es unterschiedliche Sichtweisen geben. Passt aufeinander auf in dieser Scheiß Zeit. Eine wunderschöne Adventszeit für uns alle. 🙏🧡

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