Alzey (as) – In den vergangenen Tagen haben sich mehrfach Leser an die Redaktion gewandt und auf eine auffällige Häufung toter Saatkrähen im Bereich der Bahnhofstraße hingewiesen. Ein Besuch vor Ort am heutigen Sonntag bestätigt die Schilderungen.

Überfahrene Ästlinge im Bereich der Tankstelle

Insbesondere rund um die dortige Shell-Tankstelle bot sich ein deutliches Bild: Auf der Fahrbahn lagen zahlreiche überfahrene Jungvögel. Dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Ästlinge – noch nicht flugfähige Tiere, die sich außerhalb des Nestes am Boden aufhalten.

„Ich habe gesehen, wie Kinder diese Jungvögel auf die Straße getrieben haben“, berichtet eine Passantin. Für die Tiere endet das in vielen Fällen tödlich.

Gehweg voller übelriechendem Kot, ringsum tote Vögel – hier herrscht dringend Handlungsbedarf

Nestfund und hilfloser Jungvogel

Vor Ort wurde zudem ein heruntergefallenes Nest entdeckt. Außerdem fanden wir einen stark mit Vogelkot verschmutzten Jungvogel, der offensichtlich geschwächt war. Das dazugehörige Bild- und Videomaterial wurde an die Wildvogelhilfe übermittelt. Von dort kam die klare Empfehlung, das Tier zu sichern und in eine Auffangstation zu bringen.

Geschwächter Jungvogel neben herab gefallenem Nest

Auffangstellen ausgelastet

Die Umsetzung erwies sich jedoch als schwierig. Sämtliche von uns kontaktierten Anlaufstellen meldeten bereits volle Kapazitäten.

Anja Stief, Kreisvorsitzende des NABU Alzey-Worms, bestätigt die Lage: „Gerade an solchen neuralgischen Stellen in Alzey ist das Problem bekannt. Es wurden bereits zahlreiche Vögel in Auffangstationen gebracht, aber die Kapazitäten sind begrenzt. Man darf nicht vergessen: Das läuft alles ehrenamtlich.“

Geschützte Tiere und strukturelles Problem

Hinzu kommt: Saatkrähen stehen unter Naturschutz. Eingriffe sind daher nur eingeschränkt möglich. Gleichzeitig gibt es landesweit vergleichsweise wenige Tiere – das eigentliche Problem liegt in der starken Konzentration der Population an einzelnen Standorten.

Gerade Bereiche mit großen Bäumen und dichter Besiedlung bieten den Vögeln gute Bedingungen: ausreichend Nistmöglichkeiten und leicht zugängliche Nahrungsquellen. Das führt lokal zu einer hohen Dichte – mit entsprechenden Konflikten im städtischen Raum.

Gespräche mit Behörden angekündigt

Nach Angaben von NABU Vorsitzender Stief will man kurzfristig Kontakt mit dem Bürgermeister sowie der Kreisverwaltung aufnehmen. Die Situation vor Ort sei so nicht hinnehmbar und erfordere eine Lösung.

Für den von uns gesicherten Jungvogel wurde Hilfe zugesagt.