
ALZEY (k)- Seit Juli 2025 ist das Krankenhaus in Alzey ein Kreiskrankenhaus. Der Landkreis Alzey-Worms führt die Klinik seitdem als gemeinnützigen Eigenbetrieb. Mehr als ein halbes Jahr nach der Rekommunalisierung zieht Landrat Heiko Sippel eine positive Bilanz: Die Entscheidung sei richtig gewesen, um die stationäre Gesundheitsversorgung langfristig in öffentlicher Verantwortung zu sichern.
„Es war richtig, das Krankenhaus zu rekommunalisieren und damit die stationäre Gesundheitsversorgung dauerhaft in öffentlicher Verantwortung sicherzustellen“, erklärt Sippel. Der Prozess sei in einer Phase großer Veränderungen im Gesundheitswesen erfolgt. Mitten in der laufenden Krankenhausreform habe es zahlreiche Unsicherheiten über die zukünftigen gesetzlichen Rahmenbedingungen gegeben.
Wichtiger Standort für die medizinische Versorgung
Nach Einschätzung des Landrats wird das Kreiskrankenhaus auch künftig eine zentrale Rolle in der klinischen Versorgung der Region einnehmen. Der Standort sei attraktiv und verfüge über qualifiziertes medizinisches und pflegerisches Personal. Hinzu komme das Vertrauen der Bevölkerung.
Gemeinsam mit der Krankenhausleitung habe der Landkreis zudem eine klare Vorstellung davon, wie sich die Klinik künftig entwickeln soll. Das Kreiskrankenhaus Alzey sei als Vollversorger aufgestellt und verfüge über Kompetenzen in wichtigen medizinischen Bereichen. Dazu zählen unter anderem die Unfallchirurgie, die Geriatrie sowie die interdisziplinäre Intensivmedizin.
Gleichzeitig weist Sippel darauf hin, dass die Übernahme eines von Insolvenz bedrohten Krankenhauses durch einen Landkreis keineswegs selbstverständlich sei. Zwar hätten die Landkreise einen Sicherstellungsauftrag für die stationäre Versorgung, dennoch spiele ein Eigenbetrieb im Kreishaushalt eine besondere Rolle – insbesondere dann, wenn er wirtschaftlich defizitär arbeite.
Forderungen an das Land Rheinland-Pfalz
Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken ist angespannt. Nach Angaben des Landkreistages arbeiten rund 60 Prozent der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz nicht kostendeckend.
In einem Forderungspapier an die neue Landesregierung fordert der Landkreistag daher bessere Rahmenbedingungen für die Gesundheitsversorgung. Unter der Überschrift „Schutz und Sicherheit in Gesundheit und Krisen“ wird betont, dass das Land verantwortlich sei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen entsprechend ihres Behandlungsbedarfs wohnortnah Zugang zu stationären und ambulanten Einrichtungen haben.
Zugleich verlangen die Landrätinnen und Landräte einen frühzeitigen und transparenten Prozess bei der Landeskrankenhausplanung. Kein Klinikstandort dürfe in eine existenzielle Situation geraten, ohne dass eine tragfähige Lösung entwickelt werde. Der Sicherstellungsauftrag der Landkreise müsse dabei die letzte Option bleiben. Außerdem müsse im Zuge der Krankenhausreform klar definiert werden, welche Ausstattung ein Krankenhaus der Grundversorgung benötige.
Rolle des Krankenhauses auch in Krisen
Für den Verwaltungsdirektor des Kreiskrankenhauses Alzey, Frank Müller, spielt neben der medizinischen Versorgung auch das Krisenmanagement eine wichtige Rolle. Als Kreiskrankenhaus könne die Klinik eng mit dem Katastrophenschutz des Landkreises zusammenarbeiten.
„Wir sind in der Lage, in enger Kooperation mit dem Katastrophenschutz des Kreises Herausforderungen zu meistern, die unerwartet und umfänglich sind“, sagt Müller. Krankenhäuser seien für die Bevölkerung – insbesondere für vulnerable Gruppen – ein wichtiger Ort der Stabilität und Versorgung, gerade in Krisenzeiten.
Verantwortung für die Versorgung der Region
Auch wenn die Landkreise gesetzlich nicht für die Gesundheitsversorgung zuständig sind, wenden sich viele Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anliegen an die kommunale Ebene. Mit der Übernahme des Krankenhauses hat der Landkreis Alzey-Worms deshalb bewusst Verantwortung übernommen.
„Das war ein Kraftakt für alle, auch für die Kreisgremien“, sagt Landrat Sippel. Er zeigt sich jedoch überzeugt, dass sich diese Anstrengungen langfristig auszahlen werden – vor allem für die Bürgerinnen und Bürger der Region.




























