Der Landkreis Alzey-Worms steht nach Einschätzung des Pestel-Instituts vor einer großen Herausforderung beim Wohnen im Alter. Einer aktuellen Untersuchung zufolge erfüllen nur rund 4.800 der knapp 64.200 Wohnungen im Kreis die Anforderungen, die älteren Menschen ein selbstständiges Leben auch bei körperlichen Einschränkungen ermöglichen. Das entspricht lediglich etwa sieben Prozent des gesamten Wohnungsbesta
Die Analyse wurde vom Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt und untersucht die sogenannte Alterstauglichkeit von Wohnungen. Hintergrund ist der bevorstehende Ruhestand vieler Angehöriger der geburtenstarken Jahrgänge. Nach Angaben der Forscher werden in den kommenden zehn Jahren rund 21.900 Menschen im Landkreis Alzey-Worms das Rentenalter erreichen.

„Die Baby-Boomer gehen nach und nach in Rente. Deshalb wird der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen deutlich steigen“, erklärt Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel.

Barrieren beginnen oft schon am Hauseingang

Nach den Ergebnissen der Untersuchung gibt es in vielen Gebäuden bereits beim Zugang erhebliche Hindernisse. So seien 27 Prozent aller Hausflure im Landkreis nicht breit genug, um mit einem Rollstuhl problemlos passiert werden zu können. Davon betroffen seien rund 17.900 Wohnungen.

Auch innerhalb der Wohnungen zeigen sich Defizite. Zwar verfügen etwa 74 Prozent der Wohnungen über ausreichend große Küchen. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch, dass in rund 16.500 Küchen Menschen mit Rollstuhl nicht ausreichend Platz zum Wenden haben.

Noch problematischer sei die Situation in den Badezimmern. Nach Angaben des Pestel-Instituts sind rund 25.100 Bäder und damit 39 Prozent aller Badezimmer im Kreis Alzey-Worms zu klein für eine komfortable Nutzung mit Rollstuhl oder Rollator.

Bodengleiche Duschen fehlen in vielen Wohnungen

Als besonders wichtig für das selbstständige Wohnen im Alter gilt eine bodengleiche Dusche. Dieses Merkmal findet sich laut Untersuchung jedoch nur in etwa 21.000 Wohnungen im Landkreis. Damit verfügen lediglich 33 Prozent der Wohnungen über eines der zentralen Kriterien für altersgerechtes Wohnen.

Pestel-Institutsleiter Matthias Günther empfiehlt deshalb insbesondere Investitionen in die Modernisierung von Badezimmern. Dabei gebe es jedoch vor allem in älteren Gebäuden technische Herausforderungen. In Wohnhäusern aus den 1950er Jahren seien die Decken oftmals zu dünn, um ohne größere Eingriffe eine bodengleiche Dusche einzubauen.

Forderung nach staatlichen Zuschüssen

Angesichts des hohen Nachholbedarfs fordern die Autoren der Studie eine umfassende Umbauoffensive. Neubauten könnten zwar einen Beitrag leisten, die größte Wirkung sehen die Experten jedoch in der Modernisierung bestehender Wohnungen.

Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel spricht sich deshalb für spezielle staatliche Förderprogramme aus. Gefordert werden sogenannte „Boomer-Zuschüsse“, mit denen Eigentümer und Mieter den altersgerechten Umbau ihrer Wohnungen finanzieren können.

Nach Ansicht des Pestel-Instituts reichen die bisherigen Förderangebote nicht aus. Die derzeit üblichen Zuschüsse deckten nur einen kleinen Teil der Kosten und seien nicht geeignet, eine breite Umbauwelle auszulösen. Zudem kritisiert der Verband die Vielzahl unterschiedlicher Förderprogramme von KfW, Kranken- und Pflegekassen, die für viele Betroffene nur schwer zu überblicken seien.

Zahl älterer Menschen wird deutlich steigen

Die Studienautoren warnen davor, die Entwicklung zu unterschätzen. Mit dem Eintritt der Baby-Boomer in den Ruhestand werde die Nachfrage nach barrierearmen und altersgerechten Wohnungen in den kommenden Jahrzehnten erheblich zunehmen. Um möglichst vielen Menschen ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, seien deshalb umfangreiche Investitionen in den bestehenden Wohnungsbestand notwendig.