Die Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz wird neu geordnet. Während sieben Standorte ab 2027 zu sogenannten Regiokliniken umgebaut werden sollen, bleibt das Kreiskrankenhaus Alzey mit einem vergleichsweise breiten medizinischen Angebot erhalten. Die ersten Entscheidungen über die künftig zulässigen Leistungsgruppen sorgen am Standort für Planungssicherheit.
Alzey as) – Die Krankenhausreform nimmt in Rheinland-Pfalz konkrete Formen an. Gesundheitsminister Clemens Hoch hat am heutigen Dienstag, 1. September, den neuen Krankenhausplan vorgestellt. Gleichzeitig steht inzwischen fest, welche medizinischen Leistungsgruppen das Kreiskrankenhaus Alzey künftig anbieten kann.
Für den Standort Alzey fällt die Entscheidung umfangreich aus: Nach Angaben des Krankenhauses wurden sämtliche beantragten Leistungsgruppen berücksichtigt. Damit können wesentliche Bereiche der bisherigen medizinischen Versorgung fortgeführt werden.
Dazu gehört insbesondere die Allgemeine Innere Medizin. Auch die Allgemeinchirurgie bleibt Bestandteil des Angebots. Hinzu kommen die Endoprothetik von Hüfte und Knie sowie unfallchirurgische Eingriffe an diesen Gelenken.
Auch Eingriffe an der Wirbelsäule können weiterhin am Standort Alzey vorgenommen werden.
Geriatrie und Intensivmedizin bleiben in Alzey
Eine wichtige Rolle spielt weiterhin die Geriatrie. Ebenfalls organisatorisch eingebunden bleibt die Palliativmedizin.
Von besonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Hauses ist zudem die Zuweisung der Intensivmedizin. Diese ist nicht nur für die Behandlung eigener Patienten erforderlich, sondern spielt auch für die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Einrichtungen in der Region eine Rolle.
Dazu gehört insbesondere die benachbarte Rheinhessen-Fachklinik.
Auch die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie bleiben Bestandteil des medizinischen Angebots in Alzey.
Gerade diese Fachbereiche könnten angesichts der zunehmenden Konzentration medizinischer Leistungen auf größere Standorte künftig für die regionale Versorgung an Bedeutung gewinnen.
Rheinland-Pfalz ordnet Krankenhauslandschaft neu
Hintergrund der Entscheidungen ist die bundesweite Krankenhausreform. Künftig wird wesentlich stärker festgelegt, welche Behandlungen ein Krankenhaus anbieten und mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen darf.
Dafür wurden insgesamt 61 sogenannte Leistungsgruppen definiert. Sie umfassen beispielsweise die Allgemeine Innere Medizin, die Geburtshilfe, die Endoprothetik oder bestimmte Krebsoperationen.
In Rheinland-Pfalz wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums von den Krankenhäusern insgesamt 1.325 Leistungsgruppen beantragt. Bei der Prüfung durch den Medizinischen Dienst wurden rund 79 Prozent positiv bewertet. Das Land will 220 beantragte Leistungsgruppen nicht zuweisen.
Die endgültigen Bescheide sollen nach Abschluss des Anhörungsverfahrens noch im September an die Kliniken verschickt werden.
Sieben Krankenhäuser werden zu Regiokliniken
Parallel entsteht in Rheinland-Pfalz ein neuer Krankenhaustyp. Ab Anfang 2027 sollen sieben bisherige Krankenhausstandorte als sogenannte Regiokliniken weitergeführt werden.
Vorgesehen sind Standorte in Bernkastel-Kues, Bingen, Boppard, Bad Dürkheim, Frankenthal, Hermeskeil und Kirn.
Dort sollen künftig z.b. keine Herzinfarkte oder Schlaganfälle mehr behandelt werden.
Diese Kliniken sollen stärker als Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung arbeiten. Geplant sind je nach Standort beispielsweise Medizinische Versorgungszentren, ambulante Eingriffe und eine begrenzte stationäre Versorgung mit bis zu 50 Betten.
Das Land betont, dass dabei kein einheitliches Modell vorgesehen sei. Die Angebote sollen jeweils an den medizinischen Bedarf der Region angepasst werden.
Für Investitionen in die neuen Regiokliniken sind nach Angaben des Landes bis zu 2,5 Millionen Euro zusätzlich pro Standort vorgesehen.
Alzey bleibt Krankenhaus mit breitem Leistungsspektrum
Für Alzey ist vor diesem Hintergrund besonders bemerkenswert, dass der Standort nicht zu den geplanten Regiokliniken gehört.
Stattdessen kann das Kreiskrankenhaus nach dem derzeitigen Stand zentrale stationäre Fachbereiche weiterführen. Damit unterscheidet sich die Perspektive des Alzeyer Hauses deutlich von Standorten, deren bisheriges medizinisches Angebot im Zuge der Reform stärker reduziert oder neu organisiert wird.
Für Patienten aus Alzey und der Region bedeutet die aktuelle Entscheidung deshalb zunächst vor allem Kontinuität: Wesentliche medizinische Leistungen, die bisher am Kreiskrankenhaus angeboten werden, sollen auch unter den neuen Vorgaben erhalten bleiben.
Gleichzeitig dürfte die Krankenhausreform die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärzten, Medizinischen Versorgungszentren und spezialisierten Krankenhäusern in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Für das Kreiskrankenhaus Alzey schafft die aktuelle Zuweisung zunächst eine wichtige Grundlage dafür, seinen bisherigen Weg als regionaler Krankenhausstandort fortzusetzen.



























